Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Pechölbrennen im östlichen Mühlviertel

Antragsteller: Dorfgemeinschaft Elz, Obmann Hermann Sandner
Bundesland: Oberösterreich
Bereich: Traditionelle Handwerkstechniken
Aufnahmejahr: 2013

Im östlichen Mühlviertel wird das so genannte Pechöl (flüssiges Harz) bis heute mit Hilfe von Pechölsteinen gewonnen. Das Alter dieser Steine ist weitgehend unbekannt; sie bestehen meist aus Granit an deren Oberfläche sich eingekerbte Rillen befinden, ähnlich wie Blattrippen. Auf den leicht geneigten Steinen werden kleine Meiler aus harzreichem Kienholz errichtet und mit Erde abgedeckt. Circa zwei Stunden nach dem Entzünden des Meilers beginnt das Pechöl den Blattrippen-Rinnen folgend zu fließen. Diese Form der Harzgewinnung wird noch von einigen Familien ausgeübt, vor allem aus Gründen der Erhaltung des traditionellen Wissens um das Pechöl und dessen Verwendung. War das Pechöl in der Volksmedizin ursprünglich weit verbreitet, so dient es heutzutage ausschließlich für den Hausgebrauch.

Das Wissen um das Pechölbrennen im östlichen Mühlviertel (Bezirk Freistadt) ist Jahrhunderte alt und war weit verbreitet. Davon zeugen die über 90 Pechölsteine, die in der Region noch vorzufinden sind. Wann genau diese bearbeitet wurden, konnte zwar bisher nicht festgelegt werden, nicht belegte Quellen gehen von der Entstehung im frühen Mittelalter aus. Erwähnung findet das Pechölbrennen auch in Adalbert Stifters (1806 – 1868) Erzählband "Granit".

Die Gewinnung des Pechöls hat sich in der Region nirgends als fortlaufende Tradition erhalten und wurde in den letzten Jahrzehnten vor allem dadurch zurück gedrängt, dass das allgemeine Interesse an der traditionellen Volksmedizin und althergebrachter Traditionen stark zurückging. Zudem befinden sich die alten Pechölsteine meist auf Privatgrundstücken – die Fortführung der Tradition setzt also die Erlaubnis der jeweiligen BesitzerInnen voraus. Trotzdem gab und gibt es aber immer Personen, die die Praktik des Pechölbrennens von ihrer Jugend an kannten.

Schon ab 1930 nahmen sich zwei Heimatkundler, Karl Radler und Gustav Prachmann, dem Thema der Pechölsteine wieder an. Eine Erhebung der Zahl und Lage der Pechölsteine zwischen 1930 und 1940 ergab, dass sich in der Region immer noch 128 Pechölsteine befanden. Anfang der 1990er-Jahre wurde in der Dorfgemeinschaft Elz in der Gemeinde Lasberg sowie in St. Leonhard/Freistadt und Rechberg die Praktik des Pechölbrennens zur Brauchtumspflege und Erhaltung des traditionellen Kulturguts bewusst wieder aufgenommen.

Im Jahr 2005 wurde in Elz ein Pechölwanderweg errichtet, der an den Pechölsteinen vorbeiführt und mit Schautafeln über das Pechölbrennen informiert. Aktivitäten werden über Homepage, Dorfzeitung, und andere Medien bekannt gemacht. Führungen mit Pechölbrennern und eine filmische Dokumentation der Praktik des Pechölbrennens sind ab Sommer 2013 geplant. Im Rahmen von Dorffesten werden heute regelmäßig Schau-Pechölbrennen veranstaltet, gewonnenes Pechöl wird dabei in kleinen Fläschchen als Souvenir verkauft und findet bei kleineren, medizinischen Belangen von Tier und Mensch Anwendung. Zudem werden im Einvernehmen mit den jeweiligen GrundstücksbesitzerInnen die noch vorzufindenden Pechölsteine gepflegt und erhalten.


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