Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Wiener Kaffeehauskultur

Antragsteller: Klub der Wiener Kaffeehausbesitzer, Klubobmann KommR Maximilian K. Platzer
Bundesland: Wien
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste
Aufnahmejahr: 2011

Die Tradition der Wiener Kaffeehauskultur reicht bis Ende des 17. Jahrhunderts zurück und ist durch eine ganz spezielle Atmosphäre geprägt. Typisch für ein Wiener Kaffeehaus sind Marmortischchen, auf denen der Kaffee serviert wird, Thonetstühle, Logen, Zeitungstischchen und Details der Innenausstattung im Stil des Historismus. Nach wie vor können Gäste während den flexiblen Öffnungszeiten von sechs Uhr in der Früh bis Mitternacht aus dem Angebot an Speisen und Getränken wählen, und mitunter auch Lesungen und musikalische Abende genießen. Die Kaffeehäuser sind ein Ort, „in dem Zeit und Raum konsumiert werden, aber nur der Kaffee auf der Rechnung steht“.

Die Geschichte des Wiener Kaffeehauses begann gegen Ende des 17. Jahrhunderts und war eng mit der Türkenbelagerung verbunden. Das erste Wiener Kaffeehaus wurde von dem armenischen Spion Deodato gegründet, der vom Wiener Hof mit der Zubereitung von Kaffee betraut war. Das Kramersche Kaffeehaus am Graben war 1720 das erste, das auch Zeitungen auflegte. 1788 wurde von Martin Diegand mit dem ersten Wiener Konzertcafé der Grundstein für eine neue Ära gelegt: auch Künstler wie Mozart, Beethoven, Johann Lanner und Josef Strauß zählten von nun an zu Gästen in Wiener Kaffeehäusern.

Von 1803 bis 1813 wurden die Wiener Kaffesieder durch Napoleons Kontinentalsperre für den Handel mit England auf eine harte Probe gestellt. Der Zoll auf Kaffeebohnen wurde so hoch, dass diese kaum mehr leistbar waren. Als Österreich 1808 der Handelssperre beitrat, standen die Wiener Kaffeehäuser kurz vor dem Ruin. In dieser Zeit wurde ihnen allerdings erstmals gestattet, Wein und warme Speisen zu servieren. Mit dem Ende der Handelssperre wurde auch wieder Kaffee angeboten. Zunächst nur Männern vorbehalten, erhielten auch Frauen 1856 endlich Zutritt. Das Kaffeehaus wurde zu einem Ort der transnationalen literarischen Kommunikation und spielte auch im Bereich der Politik eine nicht unwesentliche Rolle.

Aus einem Zusammenschluss traditioneller und innovativer Kaffeehäuser Wiens entstand 1956 der Klub der Wiener Kaffeehausbesitzer. Zu seinen wichtigsten Aufgaben zählt die Förderung kultureller Projekte in den Kaffeehäusern. Regelmäßig werden gemeinsame Weiterbildungsmaßnahmen und Exkursionen unternommen um fachliche Kenntnisse zu vertiefen und Geselligkeit zu pflegen. Er tritt als zentrale Stelle in der Öffentlichkeit auf und ist somit Ansprechpartner für alle Kaffeekulturinteressierten.


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