Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Blochziehen in Fiss

Antragsteller: Verein "Blochziehen Fiss": Obmann Christian Kofler, Obmannstellv. Thomas Wachter
Bundesland: Tirol
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste
Aufnahmejahr: 2011

Das Blochziehen in Fiss gehört neben Telfs, Imst, Nassereith, Thaur, Axams, Vigo di Fassa und Tramin zu den größten Fasnachtsbräuchen im Alpenraum. Es findet im Vierjahresrhythmus statt, das erstfolgende Mal am 26. Jänner 2014. Neben dem Blochziehen der Erwachsenen gibt es auch ein Kinder-Blochziehen für 6-14 Jährige, dies wird alle zwei Jahre veranstaltet. Im Spätherbst erfolgt das Blochbaumholen: eine stattliche Zirbe wird gefällt, bewacht und zwei Tage vor dem Umzug auf drei Schlitten aufgelegt.

Am Tag des Umzugs versammeln sich die teilnehmenden Figuren im Dorfzentrum, und auf Kommando des Fuhrmannes beginnt sich der Bloch, geschoben von zahlreichen Vermummten, in Bewegung zu setzen. Hexen und „Schwoaftuifl“ versuchen, das Fortkommen zu erschweren. Spielerische Elemente sind nicht nur wesentliche Details, sondern dienen auch der Unterhaltung der Zuschauenden. Nachdem der Bloch beim Schulhaus angelangt ist, wird er versteigert. Der Erlös kommt der Fasnacht, Projekten der Dorfgemeinschaft oder sozialen Einrichtungen zugute. Ab dem Abendläuten um 18 Uhr darf niemand mehr maskiert sein. Die Fasnacht endet und man geht nach Hause.

Historisch betrachtet steht das Blochziehen mit dem Heiratsverhalten der Bevölkerung in Verbindung. Es wurde nur dann veranstaltet, wenn im Dorf das ganze Jahr über niemand geheiratet hatte. Bis heute findet man beim Bloch-, Pflug- oder Eggenziehen sowie verwandten Bräuchen eine auffallende Anspielung auf Sexualität und Heiratsverhalten: in Fiss erscheint etwa der geile Giggalar, der Mädchen und Frauen in anzüglicher Weise bespringt, oder ein Brautpaar, das den Geschlechtsakt scheinbar vollzieht.

Die Organisation der Fasnacht obliegt seit einigen Jahrzehnten einem Fasnachtskomitee. Bis 1969 war es ein Brauch der Burschen und ledigen Männer, dann wurden auch verheiratete Männer eingebunden. Das Komitee verteilt die Figuren und verwaltet die Holzlarven sowie die Maskierung. Dennoch ist jede in Fiss lebende Familie in irgendeiner Form aktiv das Fasnachtsgeschehen eingebunden. Sogar jene Fisser, die zwischenzeitig in anderen Orten wohnen, können und sollen am Brauch teilnehmen. Auch die jungen Generationen nehmen aktiv am Geschehen teil und erhalten durch die Veranstaltung des Fisser Kinder-Blochziehens die Möglichkeit, in den Brauch hineinzuwachsen.

Die ältesten Hinweise auf ein Blochziehen in Fiss führen zurück in das ausgehende Mittelalter: 1460 findet sich in einem Buch der Eintrag, dass Frauen, die am Aschermittwoch den „Plock“ gezogen hätten, zwei Gulden gegeben worden seien. 1473 sollen in Innsbruck sogar die „edelsten Leute“ daran teilgenommen haben. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts finden sich zahlreiche Belege, dass der Brauch ausgeübt wurde, danach verschwand er aber zunehmend. Einem engagierten Bemühen ist es zu verdanken, dass 1909 der Brauch neu organisiert wurde. Mündliche Überlieferungen halfen, die Abläufe zu rekonstruieren, jedoch wurde das Blochziehen neu inszeniert. Nach einer Unterbrechung während des 2. Weltkriegs wird das Blochziehen seit 1949 regelmäßig veranstaltet.

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