Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Wirlinger Böllerschützen

Antragsteller: Matthias Plamberger i.V. Verein Traditionsschützen Wirling
Bundesland: Oberösterreich
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste
Aufnahmejahr: 2011

Der Traditionsschützenverein Wirling ist österreichweit der vermutlich einzige Verein, der berechtigt ist, das traditionelle Böllerschießen zu betreiben. Die Hauptaufgabe der Böllerschützen besteht darin, religiöse sowie weltliche Feste wie Hochzeiten, kirchliche Feste und Umzüge sowie das Rauhnachtsschießen mitzugestalten. Dabei wird ein eigens dafür konstruiertes Böllergeschütz auf einer Anhöhe in Stellung gebracht und je nach Anlass zu genau festgelegten Zeiten abgefeuert. Wichtig ist, dass immer das Echo des Böllerknalls, welches bis zu zwölf Sekunden dauern kann, vor der Abgabe des nächsten Schusses abzuwarten ist.

Ein guter Böllerschütze zeichnet sich durch einen nahtlosen Übergang zwischen dem Echo des ersten und dem nachfolgenden Böllerschuss aus. Auch die Einhaltung der Schusszeiten ist für dieses Brauchtum von großer Bedeutung: Eine Hochzeit wird um exakt vier Uhr morgens mit vier Böllerschüssen angekündigt, und bis zur Kirchenfeier stündlich eine der Stunde entsprechende Anzahl an Schüssen abgegeben.

Das Böllerschießen war Bestandteil des Brauchtums im Salzkammergut, doch hat es sich, vor allem durch die strengen pyrotechnischen Auflagen in den siebziger Jahren, nur mehr in Wirling in der Wolfgangsee-Region erhalten.

Die Bewahrung und Weitergabe der ausschließlich mündlich überlieferten Böllerschützentradition wird durch die Einbindung der Jugend in die Vereinsorganisation gewährleistet.

Da es vor allem ab Beginn der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts oft zu einer missbräuchlichen Verwendung des Böllerschießens kam, mehrten sich die Zwischenfälle mit teils erheblichem Personen- und Sachschaden. Dies führte im Jahre 1974 zu einem fast vollständigen Verbot des Hantierens mit Böllern. In den meisten Gemeinden wurde das Böllerschießen von den im Salzburger Flach- und Tennengau üblichen Prangerschützenvereinen, die von dem Verbot ausgenommen blieben, abgelöst. Dadurch kam es beinahe zum Aussterben des Böllerschießens, das sich bis heute nur mehr in Wirling erhalten hat. Engagierte Wirlinger Böllerschützen entwickelten im Jahre 1989 ein Böllerabfeuerungsgerät, das den neuen pyrotechnischen Anforderungen entsprach und schließlich auch eine Genehmigung des Ferlacher Beschussamts sowie der Sicherheitsdirektion Linz erhielt. Somit sind die Traditionsschützen Wirling bis heute vermutlich der einzige Verein in Österreich, der offiziell Böller schießen darf und diese Tradition somit legal weiterpflegen kann.

Die BürgerInnen von Wirling sind bis heute stolz darauf, die Tradition des Böllerschießens zu pflegen, welche für sie identitätsstiftend ist.

Da das Abschießen der Böller als eine Art Ehrbezeugung verstanden wird, fördert dieser Brauch die gegenseitige Achtung der beteiligten Personen.

Die strengen pyrotechnischen Vorschriften konnten durch die bereits erwähnte Konstruktion eines eigenen Böllerabfeuerungsgeräts erfüllt werden. Das Abfeuern von modernen handelsüblichen Feuerwerkskörpern oder Kleinböllern hat nichts mit dem Böllerschießen zu tun, zerstört aber durch seine Allgegenwärtigkeit etwa bei Hochzeiten oder in der Weihnachtszeit die Wirkung dieses Brauches.


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