Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Köhlerei

Antragsteller: Peter Wieser, Vorstandsmitglied im Europäischen Köhlerverein und Sprecher der österreichischen Köhler
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien
Bereich: Traditionelle Handwerkstechniken
Aufnahmejahr: 2011

Bei der Köhlerei handelt es sich um eine Handwerkstechnik aus dem bäuerlichen Umfeld, die primär der Erzeugung von Holzkohle dient. Mittels trockener Destillation wird Holz unter Luftabschluss erhitzt und über eine Zeitspanne von mehreren Wochen durchgekohlt, wobei es in möglichst reinen Kohlenstoff umgewandelt wird.

Die Köhlerei war deshalb so bedeutsam, weil man mittels der so gewonnen Holzkohle viel höhere Temperaturen erreichen konnte als mit Holz. Erst mit der Gewinnung mineralischer Kohle und dem Sinken der Transportkosten durch die Entwicklung der Eisenbahn nahm die Bedeutung der Köhlerei ab. In Österreich gibt es heute nur noch ungefähr 15 Personen, die diese verstehen und ausüben.

Traditionell hat sich das Köhlergewerbe vor allem in jenen Regionen entwickelt, wo durch die Montanindustrie erhöhter Bedarf an Holzkohle bestand. Die österreichischen Köhlereien sind über das ganze Bundesgebiet verstreut, wobei das niederösterreichische Rohr im Gebirge mit derzeit 6 Köhlereibetrieben ein regionales Zentrum der österreichischen Köhlerei bildet.

Das Köhlereigewerbe ist üblicherweise im bäuerlichen Umfeld angesiedelt, wobei es sich um ein Nebengewerbe handelt. Das Wissen wird praktisch erworben und von Generation zu Generation, meist vom Vater an den Sohn, weitergegeben.

Die Technik der Köhlerei ist zwar seit ihren Ursprüngen die gleiche geblieben, aber in der heutigen Zeit wird das Handwerk durch moderne technische Hilfsmittel wie zum Beispiel Kräne unterstützt. Heute wird die durch die Köhlerei erzeugte Holzkohle insbesondere beim Grillen und Braten und Maroni und Erdäpfelscheiben eingesetzt.

Da es heute nur noch wenige aktive Köhler in Österreich gibt, bilden diese eine kleine Gemeinschaft. In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um das Identitätsgefühl der Köhler zu stärken und ihre Wertschätzung in der Bevölkerung zu heben. Ihre Kenntnisse wurden aufgezeichnet und medial publik gemacht. Kontinuität wird durch die Weitergabe des Handwerks an die nächste Generation gewährleistet.

Das Köhlergewerbe ist insbesondere durch den starken Rückgang an Betrieben bedroht, derzeit wird dieses Handwerk nur noch von ungefähr 15 Personen in Österreich ausgeübt. Für immer weniger Betriebe ist es wirtschaftlich sinnvoll, Köhlerei zu betreiben, da diese sehr arbeitsintensiv und nicht mechanisierbar ist.


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