Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Ebenseer Fetzenzug

Antragsteller: Johannes Scheck i. V. Verein Ebenseer Fasching
Bundesland: Oberösterreich
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste
Aufnahmejahr: 2011

Beim Ebenseer Fetzenzug handelt es sich um einen jährlich am Faschingsmontag in und um Ebensee stattfindenden Faschingsumzug, dessen genaue Ursprünge nicht geklärt sind. Die Teilnehmenden, die so genannten „Fetzen“, kleiden sich in alte Frauengewänder, an die Lumpen genäht sind. Sie tragen einen Fetzenhut sowie eine kunstvoll geschnitzte Holzmaske.

Der Zug trifft sich traditionell bei einem Gasthaus in Kohlstatt und zieht dann bis zum Rathaus der Marktgemeinde Ebensee. Dort beginnt der eigentliche Höhepunkt der Veranstaltung, das „Austadeln“: Die Fetzen sagen ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit verstellter Stimme die Meinung. Ziel ist es, dabei nicht erkannt zu werden. Begleitet wird das bunte Treiben vom „Parapluie-Marsch“, auch „Fetzenmarsch“ genannt.

Der Ebenseer Fetzenzug ist seit seiner Entstehung vor ungefähr 120 Jahren ein fixer Bestandteil und Höhepunkt der Faschingszeit in Ebensee und wird von der dortigen Bevölkerung getragen. Er bildet einen immanenten Bestandteil der Ebenseer Ortskultur.

Die Weitergabe und Bewahrung des Ebenseer Fetzenzuges erfolgt seit jeher mündlich. Eine zentrale Rolle in der Tradierung nehmen die Familien ein, die den Brauch an ihre Kinder weitervermitteln und ihn so von Generation zu Generation lebendig halten. Seit der Gründung des Ebenseer Faschingsvereins nimmt auch dieser eine zentrale Rolle in der Weitergabe des Elements ein.

Im Laufe der Geschichte hat sich der Ebenseer Fetzenzug vielfach weiterentwickelt und neue Formen angenommen. So veränderten sich nicht nur der Ausgangspunkt des Fetzenzugs, sondern auch die Verkleidungen der Teilnehmenden. Diese passten sich an die Mode und den Lebensstandard der jeweiligen Zeit an. Während es zeitweise üblich war, die Gesichter zu schminken, ging man später zur Verwendung von Holzmasken über.

Für die Bewohnerinnen und Bewohner des Ortes Ebensee ist der Fetzenzug zu einem Identifikationssymbol geworden und spielt eine wichtige Rolle für das Ebenseer Ortsbewusstsein.

Da das Austadeln manchmal ausartete und die Grenzen des guten Geschmacks überschritten wurden, installierte man 1954 die „Fetzenpolizei“, welche seitdem als Ordnungshüter fungiert.

Es werden mehrere potenzielle Risikofaktoren genannt: Einerseits nützen viele den Fetzenzug, um ausgelassen Alkohol zu konsumieren und rücken ihn dadurch in ein schlechtes Licht. Andererseits hat auch die Beteiligung der lokalen Bevölkerung am Fetzenzug in den letzten Jahren abgenommen. Der Mangel an Information über den Fetzenzug und die damit verbundenen Traditionen trägt ebenfalls zu seiner Gefährdung bei.


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