Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Axamer Wampelerreiten

Antragsteller: Daniel Klotz
Bundesland: Tirol
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste

Das Wampelerreiten ist fixer Bestandteil des Faschingsgeschehens in Axams und wird jährlich am sogenannten ‚Unsinnigen Donnerstag‘ vor dem Faschingssonntag durchgeführt. Im Vordergrund stehen die namensgebenden Wampeler - junge Burschen und Männer, die ein weites, weißes Leinenhemden tragen, das mit Heu prall ausgestopft wird. Dadurch erhalten die Wampeler ihre „Wampe“, womit umgangssprachlich ein dicker Bauch bezeichnet wird. Mit einem roten, kurzen Rock über der Hose und einem breiten Ledergürtel sowie mit einem kurzen Holzstock ausgestattet ziehen die Wampeler in gebückter Haltung durch den Ort. Ihre Gegenspieler sind die „Reiter“, die versuchen, die Wampeler umzustoßen und auf den Rücken zu legen, um deren weißes Hemd zu beschmutzen. Der Stock hilft den Wampelern, das Gleichgewicht zu halten sowie unfaire Angriffe von vorne abzuwehren. Nach mehreren Runden durch den Ort wird am Abend beim Dorfwirt der beste Wampeler mit dem saubersten Rücken gekürt. Begleitet wird das Axamer Wampelerreiten von sogenannten ‚Banden‘, die während der Fastnacht verkleidet von Gasthaus zu Gasthaus ziehen, um zu musizieren, zu tanzen und Dorfbegebenheiten zu persiflieren.

Der Ursprung des Axamer Wampelerreitens ist wenig bekannt. Ebenso lässt sich über den Zweck bzw. die Bedeutung nur mutmaßen. Interpretationen sehen in der Praxis beispielsweise das Winteraustreiben oder die Bewältigung der Natur. Die ersten schriftlichen Hinweise datieren auf Mitte des 19. Jahrhunderts. Neuere Deutungen des Kampfes verweisen auf einen Übergangsritus, bei dem junge Burschen durch die Teilnahme in die Riege der Männer aufgenommen werden.
Der Kampf zwischen Wampeler und Reiter erfolgt nach festen Regeln. Beim Angriff darf sich der Reiter nur von hinten nähern. Steht ein Wampeler mit dem Rücken zu einem Haus, einer Wand, einem Zaun oder einem Brunnen, so darf er nicht angegriffen werden. Spätestens an den eigens eingerichteten „Kampfzonen“ treffen die Gegner aber aufeinander. Sieger ist jener Wampler, dem es gelingt, sein weißes Hemd so sauber wie möglich zu halten.
Alle vier Jahre findet zusätzlich ein großer Fastnachtsumzug statt, bei dem auch Tuxer, Flitscheler, die Boarischen, der Bojazzl und andere regionale und für Tiroler Fasnächte typische Figuren vertreten sind. Originell ist hierbei der Axamer Bock - ein lebender Ziegenbock. Dieser wird vom sogenannten ‚Goaßer‘ geführt, der einen kuriosen Vorfall aus der Dorfchronik rezitiert. Auch die ‚Bluatigen‘ sind einzigartig und bilden ein subversives Element der Axamer Fastnacht. Junge Burschen in Badehosen beschmieren sich mit Tierblut und behängen sich mit Tiergedärmen, um anschließend brüllend durch das Dorf zu laufen und sowohl Publikum, TeilnehmerInnen sowie die Organisation zu schrecken. Die ‚Bluatigen‘ sind organisatorisch nicht in das Fastnachttreiben eingebunden und treten in unregelmäßigen Abständen unvorhergesehen auf.

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