Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Herstellung und Verwendung der Linzer Goldhaube

Antragsteller: Martina Pühringer, Oberösterreichische Goldhaubengemeinschaft
Bundesland: Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg
Bereich: Traditionelle Handwerkstechniken

Die Linzer Goldhaube ist eine goldbestickte Haube, die den wertvollsten Teil der oberösterreichischen Festtracht bildet und seit Beginn des 19. Jahrhunderts getragen wird. Für die Herstellung einer Goldhaube braucht es rund 250 bis 300 Arbeitsstunden sowie Fingerfertigkeit und das nötige Wissen um alte Handwerkstechniken, das von Goldhaubengruppen in Zusammenarbeit mit Trachtenschneidereien erhalten und weitergegeben wird. Auf einem ca. 16x116cm langen Goldstoffband werden vergoldete Kupferplättchen, Flitter, Folien, Boillonen und Goldperlen gestickt. Das Muster obliegt der Stickerin selbst, die Form der Haube wird durch ein Drahtgestell vorgegeben und ist in ganz Oberösterreich, dem angrenzenden Niederösterreich, Salzburg und Bayern gleich. Goldhauben werden innerhalb der Familie weitergegeben und gemeinsam mit der Festtagstracht (bestehend aus einem bodenlangen Seidenkleid, Trachtenschmuck, Gebetbuch, Schultertuch, Handstiezeln und Perlbeutel) zu weltlichen und kirchlichen Anlässen, beispielsweise an Trachtensonntagen, Erntedankfest oder Jubelhochzeiten, getragen.

Goldbestickte Hauben werden seit dem 13. Jahrhundert zu besonderen Anlässen getragen. Die heutige Goldhaube entwickelte sich zu Beginn des 19. Jahrhundert aus der sogenannten Böndelhaube. Die Seitenteile der Böndelhaube wurden mehr und mehr nach hinten gezogen und der Boden oder das Böndel wurde zu einem Knauf, der charakteristisch für die Linzer Goldhaube ist, die in dieser Form heute in ganz Oberösterreich und angrenzenden Regionen verbreitet ist.
Derzeit gibt es in Oberösterreich rund 15.100 aktive TrägerInnen. Sie sind in Goldhaubengemeinschaften organisiert, die sich in 433 Ortsgruppen und 17 Bezirksgruppen gliedern und oft über gute Kontakte zu Trachtenvereinen, Hutgruppen, Blasmusikkapellen und anderen Vereinen verfügen. Die Aktivitäten der Gemeinschaft der Goldhaubenfrauen sind stark geprägt von den kirchlichen Festen. Zu den Fixpunkten zählen die Fronleichnamsprozession, Erntedankfest, Jubelhochzeiten und Primizen. Zusätzlich werden in vielen Ortsgruppen Liebstattsonntage, Muttertagsfeiern, Trachtensonntage, Kräuterweihe (15. August) und Altenheimfeiern organisiert. Zahlreiche Handarbeitsausstellungen, Christbaumausstellungen, Krippenausstellungen und Ausstellungen zum Brauchtum im Jahreskreis runden die Tätigkeiten ab. Stick- und Nähkurse und viele andere Handarbeitskurse werden angeboten, um das Wissen um die Herstellung weiterzugeben.
Goldhaubengemeinschaften verstehen sich nicht nur als Brauchtumsträgerinnen, sondern auch als karitative Gruppen und sammeln deshalb Geld für verschiedene wohltätige Zwecke (Hochwasserhilfe, Kinderkrebshilfe, Erdbebenopfer, Licht ins Dunkel, Lebenshilfe, Kirchenrenovierungen etc.). Trotz der vielen Ortsgruppen mangelt es an Nachwuchs, da die Mitgliedschaft in einer Goldhaubengruppe zeit- und kostenintensiv ist. Durch die verstärkte Einbeziehung von jungen Mädchen in das Gruppengeschehen sowie Wissensvermittlung mittels Trachtenschauen, Vorträgen und Ausstellungen und vermehrter Medienarbeit wird versucht dem Nachwuchsmangel entgegen zu wirken.


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