Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Taubenschießen in Altaussee

Antragsteller: Gerhard Wimmer, Taubenschützenverein Altaussee-Schneiderwirt
Bundesland: Steiermark
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste

Das Taubenschießen in Altaussee ist ein Gesellschaftssport mit zumindest drei Schützen. Mitglieder des Taubenschützenvereins treffen sich beim Schneiderwirt, wo der Schießstand installiert ist, der wie ein großes Pendel funktioniert. Als Wurfgeschoss dient eine ca. 2kg schwere, hölzerne Taube mit eisernem Schnabel, die an einer 8m langen Kette aus Stahldrahtgliedern hängt. Hinten an der Taube ist eine Schnur befestigt, die der Schütze möglichst mit ruhiger Hand in einer Linie mit der Kette und der Mitte der Zielscheibe bringen muss. Lässt der Schütze die Schnur los, schwingt die Taube durch die Pendelbewegung in Richtung Zielscheibe und bleibt dort mit der eiserenen Spitze stecken. Der ‚Zieler‘ vermerkt am Rand der Scheibe das Schussergebnis und schwingt die Taube zurück zum ‚Aufigeber‘, der dem nächsten Schützen die Taube reicht.

Das Taubenschießen ist wahrscheinlich als Schießsport der unteren Bevölkerungsschichten entstanden, die früher keine Schusswaffen besitzen durften. Die Festlegung der Schusssaison auf den Winter rührt vermutlich daher, dass Bauern und Arbeiter zu dieser Jahreszeit weniger Arbeit zu verrichten hatten. Taubenschießen war von der Nordsee bis Südtirol weit verbreitet, wird heute jedoch nur mehr in Altaussee und Nußdorf am Inn (Bayern) praktiziert. Die ältesten Aufzeichnungen über das Taubenschießen in Altaussee stammen aus dem Jahr 1925. Bis 1967 wurde mit mehreren Unterbrechungen geschossen. 1977 reaktivierte der damals neue Pächter des Schneiderwirts das Taubenschießen. Seit damals wird jedes Jahr geschossen.

Geschossen wird jährlich ab dem ersten Sonntag nach Allerheiligen bis eine Woche vor dem Faschingsonntag. Neben dem fixen Schießstand beim Schneiderwirt gibt es auch einen mobilen Stand, der bei großen Veranstaltungen aufgebaut wird. Zu Saisonende findet am Faschingssamstag ein Schützenmahl mit Siegerehrung und am Faschingmontag ein Umzug durch die örtlichen Wirtshäuser statt. Dabei wird auch eine handbemalte, hölzerne Schützenscheibe mitgetragen, auf der jedes Jahr ein Vereinsmitglied als Karikatur verewigt wird. Diese ‚Ehre‘ wird einem zu Teil, wenn einem innerhalb des letzten Jahres ein heiteres Missgeschick passiert ist.


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