Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Kranzelreiten zu Weitensfeld

Antragsteller: Max Strohmaier
Bundesland: Kärnten
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste

Das Kranzelreiten zu Weitensfeld findet jährlich am Pfingstwochenende statt und ist in zwei Abschnitte gegliedert. Am Pfingstsonntag reiten die Kranzelreiter in Begleitung von G’stanzlsängern und einer Trachtenkapelle von Haus zu Haus, singen G’stanzl über die Ereignisse des vergangenen Jahres und sprechen ein ‚Hoch‘ auf die Hausbewohner aus, von welchen sie mit Speis und Trank versorgt werden. Am Pfingstmontag findet dann das eigentliche Kranzelreiten statt. In einem Wettkampf legen die Reiter auf ihren geschmückten Pferden dreimal die Strecke vom Oberen Marktplatz bis zum Marktbrunnen zurück, um so das Austreiben der Pest zu symbolisieren, das mit dem Ursprung des Kranzelreitens in Zusammenhang steht. Danach stehen drei Läufer im Mittelpunkt des Geschehens, die um die Wette laufen. Der Sieger darf auf dem Siegerpferd zur Statue der ‚steinernen Jungfrau‘ auf dem Marktbrunnen reiten und sie küssen. Er erhält als Prämie das Kranzel der Jungfrau und ein Seidentuch. Der Zweitplatzierte bekommt ein Myrtensträußchen und ein Wolltuch, der Letzte ein Büschel Schweineborsten und ein Kattuntuch. Daran anschließend schenken die Läufer ihre Gaben weiter an ihre auserwählten Mädchen. Gemeinsam tanzen sie den „Jungfrauenkuss-Walzer“ (Gurktalerwalzer), der den Abschluss des Kranzelreitens und gleichzeitig den Auftakt zum gemeinsamen Feiern bildet.

Beim Kranzelreiten in seiner heutigen Gestalt handelt es sich um eine kulturelle Veranstaltung, die eingebettet in ausgelassener Festtagsstimmung abgehalten wird. Neben den Reitern und Läufern sowie deren auserwählten Frauen sind auch Trachtenvereine, Kapellen, die Landjugend und freiwillige Feuerwehren in die Organisation und Durchführung involviert.

Das Kranzelreiten entstand mündlichen Überlieferungen zufolge im 16. Jahrhundert, nachdem die Pest Weitensfeld heimgesucht hatte. Die vier Überlebenden der Epidemie waren das Burgfräulein des Schlosses ‚Thurnhof‘ und drei Bürgersöhne. Um ihren Zukünftigen auswählen zu können, veranstaltete das Burgfräulein einen Wettlauf – der Sieger durfte sie zur Frau nehmen. Das Kranzelreiten entstand in Erinnerung an diese Begebenheit. Die älteste Darstellung kann auf das Jahr 1814 datiert werden. In seiner jahrhundertelangen Geschichte unterlag das Kranzelreiten einigen Wandlungen – seit 1891 wird beispielsweise auch am Pfingstsonntag ausgeritten, seit 1914 erfolgt die Einladung der Bevölkerung zum Kranzelreiten mit musikalischer Umrahmung. Der Wettkampf als Kern der Veranstaltung wurde aber immer beibehalten. Als Belohnung erwartet den Wettlaufsieger der „Kuss der steinernen Jungfrau“, die das Wahrzeichen des Kranzelreitens darstellt. Sie thront auf dem Brunnen des Marktplatzes und ist festlich geschmückt mit weißem Kleid, roter Schärpe und Brautkranz. In der linken Hand hält sie einen Schlüsselbund, in der rechten Hand eine Pfingstrose.


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