Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Ratschen in der Karwoche

Antragsteller: Franz Ederer
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste
Aufnahmejahr: 2015

[b] Ratschen ist ein Lärmbrauch, der in verschiedenen Formen in den Tagen vor Ostern in weiten Teilen Österreichs praktiziert wird. Zentral dabei ist die sogenannte Ratsche, ein Holzschrapinstrument, dessen Geräusch von Gründonnerstag bis Ostersonntag die dann verstummten Kirchenglocken ersetzen soll. Bei der am häufigsten verbreiteten Form des Ratschens gehen Kinder zu verschiedenen Zeiten durch den Ort, ratschen und sagen nach einem bestimmten Ablauf Sprüche auf. Die Sprüche können von Region zu Region variieren und werden entweder von älteren Kindern an jüngere weitergegeben oder von einer erwachsenen Betreuungsperson gelehrt. Der am häufigsten auftretende Spruch ist der sogenannte Englische Gruß: “Wir ratschen, wir ratschen den Englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss. Kniet's nieder, kniet's nieder auf euere Knie, bet's drei Vater Unser und ein Ave Marie”. Nach dem Ratschen werden die Kinder beim sogenannten ‚Absammeln‘ mit Geld, Süßigkeiten oder Ostereiern belohnt. [b/]

Ratschen wird in weiten Teilen Österreichs und überwiegend von MinistrantInnen, PfadfinderInnen bzw. den Mitgliedern der Jungschar ausgeübt. Charakteristisch ist die Verschränkung eines kirchlich-religiösen Ereignisses mit einer volkskulturell-gesellschaftlichen Praktik. Die Ursprünge des Brauchs lassen sich heute nicht mehr genau festlegen. Die Ratschen dürften wahrscheinlich auf frühe Formen von hölzernen Gebetsanzeigetafeln zurückgehen, der Begriff selbst wird seit dem ausgehenden Mittelalter verwendet. Das Ratschengehen der örtlichen Jugend ist ab dem 18. Jahrhundert entstanden. War es früher üblich, dass nur Buben - meist Ministranten - ratschen, üben seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert zunehmend auch Mädchen den Brauch aus. Das Ratschen unterliegt einer ritualisierten Abfolge, wobei das Ratschen und das Aufsagen der Sprüche abwechselt. Meist wird das Ratschen von den Kindern gleichberechtigt ausgeführt, in Niederösterreich gibt es zum Teil auch Gruppen, bei denen ein Kind die Rolle des Stabführers innehat.


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