Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Mühlviertler Handblaudruck

Antragsteller: Maria und Karl Wagner – Mühlviertler Blaudruck auf Leinen
Bundesland: Oberösterreich
Bereich: Traditionelle Handwerkstechniken
Aufnahmejahr: 2015

Die äußerst komplexe und zeitaufwendige Technik des Blaudrucks etablierte sich im Mühlviertel im Laufe des 19. Jahrhunderts. Regionale Handwerker, darunter auch der Begründer der heutigen Blaudruckerei Wagner, zogen in die Ferne, um „auf der Walz“ das neue Stoffveredelungsverfahren zu erlernen. Das Wissen um den Mühlviertler Handblaudruck wird bereits in der vierten Generation in der Familie Wagner weitergegeben. Ihre große Sammlung an Handdruckmodeln weist eine Vielzahl an regional inspirierten Mustern auf. Bis heute wird auf Mühlviertler Leinen gedruckt.

Die Leinenverarbeitung ist untrennbar mit der Geschichte des Mühlviertels verbunden. Die natürlichen Bedingungen im Norden Oberösterreichs boten über Jahrhunderte ideale Voraussetzungen für die Entwicklung eines blühenden Textilhandwerks. Im Laufe des 19. Jahrhunderts etablierte sich die Technik des Blaudrucks. Das figurative Bemalen von Geweben ist eine der ältesten Stoffveredelungstechniken und hat seinen Ursprung in Indien, von wo auch der Farbstoff Indigo kommt. Die Blaudruckerei Wagner ist in Österreich die letzte Leinen-Blaudruckerei mit Handdruckmodeln neben der Färberei der Familie Koó im Burgenland (Burgenländischer Indigo-Handblaudruck), die auch auf Baumwolle mit Walzendrucktechnik arbeitet. Mit bis zu 250 Jahre alten Holzmodeln, die sich durch regional inspirierte Muster (wie zum Beispiel das Kornblumenmuster, Hopfenmuster oder das Ährenmuster) auszeichnen, wird der Papp (eine farbabweisende Masse) vor der Färbung auf das Leinen aufgetragen, sodass das Muster nach dem Färben weiß erscheint. Familia Wagner arbeitet auch mit selbstgestochenen Modeln, um mit neuen Mustern zu experimentieren. Grundlage der Handwerkstechnik der Blaudruckerei Wagner ist das Wanderbüchlein des ersten Blaudruckers in der Familie, Karl Wagner, der sein Wissen um den Blaudruck „auf der Walz“ von 1869-1878 erwarb. In Auseinandersetzung mit Textilkünstlern, Designern und Bildungsinstitutionen wird die Vernetzung und Weiterentwicklung des Handwerks gefördert und das Wissen um die Technik erweitert.


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