Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Spielpraxis des Salzburger Marionettentheaters

Antragsteller: Salzburger Marionettentheater
Bundesland: Salzburg
Bereich: Darstellende Künste

Das Marionettentheater ist eine Tradition, die in vielen Ländern seit Jahrtausenden praktiziert wird und als höchst entwickelte Form des Puppen- und Figurentheaters gilt. Das Salzburger Marionettentheater widmet sich seit 1913 dieser Kunstform. Um eine möglichst natürliche Bewegung zu erreichen, erfand sein Gründer, Anton Aicher, ein Spielkreuz, das bis heute in Verwendung ist und gelegentlich mit einer Harfe verglichen wird. Beim Spiel greift der Puppenspieler in die daran befestigten Fäden, um die Figur zu bewegen und erzeugt dabei „Töne“, die den Charakter der Figur erschaffen. Jeder Puppenspieler, der in den letzten 100 Jahren an dem Theater angelernt wurde, hat diese Technik erlernt. Neben der künstlerischen Fertigkeiten ist auch die Weitergabe des handwerklichen Könnens notwendig, um die Puppen zu schnitzen, zu bemalen, sie zu kostümieren und zu bewegen. Die Urfigur des Salzburger Marionettentheaters ist der Salzburger Kasperl, der dem Lungauer Sauschneider, einer lustigen Figur aus bäuerlicher Umgebung nachempfunden ist und um 1700 von einem fahrenden Puppenspieler auf die Bühne gebracht wurde. Weltweit ist das Salzburger Marionettentheater das einzige, das sich der Aufführung von Opern widmet.
Das Salzburger Marionettentheater wurde 1913 vom Bildhauer Anton Aicher gegründet und in der Folge von seinen Kindern weitergeführt. Aus dieser Familientradition entstand eine über 100jährige Theatertradition.
Der Gründer erhob als renommierter Bildhauer den Anspruch eines „Künstler-Marionetten-Theaters“, was in den Physiognomien der einzelnen Figuren und in den kunstvollen Kleidern zum Ausdruck gebracht wird. An der Praxis selbst hat sich wenig geändert. Die Figuren sind mit 1,5m langen Fäden an Führungskreuzen befestigt und werden von PuppenspielerInnen, die 2m über der Bühne stehen, bewegt. Die Köpfe und Körper der Marionetten werden kosten- und zeitintensiv von BildhauerInnen angefertigt.
Den PuppenspielerInnen kommt nach wie vor eine tragende Rolle zu, sie bringen die Marionetten zum Leben und übertragen mit den Fäden ihre Emotionen auf die Figuren. Lediglich die Technik, etwa die Stellen, an denen die Fäden befestigt sind und die Bühnentechnik (Beleuchtung, Laufsteg für die SpielerInnen) wurden im Laufe der Zeit adaptiert. Die Weitergabe des Puppenspielens erfolgt am Theater, da es keine entsprechenden Ausbildungsstätten gibt.
Heute werden verschiedene Stücke gespielt, unter anderem auch Opern und Werke zeitgenössischer und klassischer Literatur. So wird versucht das Interesse des Publikums am Marionettentheater zu erhalten und der automatischen Einordnung als Kindertheater entgegen zu wirken.

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