Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Öblarner Krampusspiel

Antragsteller: Ing. Gert Planitzer
Bundesland: Steiermark
Bereich: Darstellende Künste
Aufnahmejahr: 2014

Das Öblarner Krampusspiel gehört in die Gattung geistlicher Volksschauspiele (siehe auch Eintragung „Reither Nikolausspiel“), die seit der Rekatholisierung vor allem im 18. Jahrhundert zum Bestand religiöser Unterweisung und geistlicher Belehrung der Bevölkerung dienten. Als eines der letzten steirischen Volksschauspiele wird das Öblarner Krampusspiel alljährlich Anfang Dezember von Laien als Stubenspiel in bäuerlichen Gehöften und als öffentliche Aufführung auf dem Marktplatz gespielt. Die Texte der einzelnen Spielfiguren wie Jäger, Luzifer und Gefolge, Schmied, Habergoas und Tod wurden vorwiegend mündlich überliefert und erstmals in den 1980er Jahren schriftlich erfasst. Eine erste Nachricht zum Krampusspiel in Öblarn geht auf Erzherzog Johann zurück, der 1816 bei einem Besuch in Schloss Gstatt einen Teil davon oder desselben zu sehen bekam.

Das Krampusspiel in Öblarn wird jährlich Anfang Dezember in bäuerlichen Stuben, seit den späten 1980er-Jahren auch als öffentliche Veranstaltung auf dem Hauptplatz von Öblarn aufgeführt. Es zählt zu den wenigen erhaltenen alpenländischen Spielen dieser Art und gehört mit seiner Moral in die Gattung der Jedermann-Spiele, die immer auch mit Figuren der Unterhaltung und Momenten der Belustigung ausgestattet waren. Der Text dieses Spiels wurde über Jahrzehnte mündlich überliefert und 1989 im Auftrag des Landschaftsmuseums Schloss Trautenfels im Rahmen von Feldforschungen erstmals in schriftliche Form gebracht. Das Öblarner Krampusspiel wird von Laien dargestellt, die Anfang Dezember von Hof zu Hof ziehen, voran die „Schab“ – in Stroh gehüllte Figuren, die mit ihren Peitschen einen 6er- oder 8er-Takt schnalzen –, danach die Jäger, die als „Qartiermacher“ fungieren, indem sie in die Stuben treten um die Spielerlaubnis der Bauern einzuholen sowie der Oberteufel Luzifer mit seinen Gesellen, der Schmied, die Habergoas und der Tod. Die Lichtfigur des heiligen Nikolaus wendet das Spiel zum Guten und belohnt die Kinder. Aufgrund des begrenzten Platzes in den Bauernstuben wird die sogenannte „Bergpartie“ mit maximal 10 bis 12 Personen bzw. Kernfiguren gespielt, bei der öffentlichen Veranstaltung auf dem Hauptplatz in Öblarn wirken dann an die 50 Personen mit. Für die Lebendigkeit der Praxis zeigt sich im stetigen Wandel der Begleiter des heiligen Nikolaus im Laufe seiner Entwicklung – Kaplan und Engel sind bspw. heute nicht mehr vertreten. Innerhalb der Darsteller und Spielfiguren besteht eine Hierarchie der Generationen‚ so müssen sich die jungen Mitspieler ausgehend von Figuren wie dem „Luziferhalter“ im Laufe der Zeit hinaufarbeiten. Die Mitwirkenden des Spiels rekrutieren sich aus allen Generationen der Bevölkerung, im Gegensatz zu anderen Spielen dieser Art sind auch Frauen in die Spieltradition eingebunden.

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