Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Traunkirchner Mordsgschicht

Antragsteller: Traunkirchner Mordsgschicht
Bundesland: Oberösterreich
Bereich: Darstellende Künste
Aufnahmejahr: 2014

Die älteste Aufzeichnung der Traunkirchner Mordsgschicht stammt aus dem Jahr 1912, wobei diese Tradition laut Zeitzeugen schon länger existieren soll. Es handelt sich dabei um einen musikalischen Vortrag im Stil des Moritatengesanges. Ursprünglich im ganzen Salzkammergut verbreitet, wird dieser Brauch in dieser Form heute nur mehr in Traunkirchen praktiziert. Am Faschingssonntag ziehen die Sänger in Frack und mit Zylinderhut bekleidet von Gasthaus zu Gasthaus und präsentieren heitere Begebenheiten der Dorfgemeinschaft des vergangenen Jahres. Als Gegenleistung werden nur die Bewirtung, Aufwandsentschädigungen oder ein gemeinsames Essen akzeptiert.

„An jedem Faschingssonntag um die selbe Stunde, da wird die Mordsgschicht vorgetragen, von dieser Männerrunde“ – die Einleitungsstrophe beschreibt wohl am besten, wie die Traunkirchner Mordsgschicht heute praktiziert wird. Acht Herren ziehen stilvoll gekleidet zwischen 14 und 22 Uhr von einem Gasthaus in das nächste und tragen die Mordsgschichtlieder vor. Die Lieder werden ausschließlich mit Gitarre begleitet und auf Bildtafeln Karikaturen zu den jeweiligen Geschichten gezeigt. Über die Jahre wurde die Grundmelodie des Traunkirchner Moritatenliedes beibehalten, jedoch in den 1980er Jahren eine neue Schlussstrophe hinzugefügt. Für die Dorfgemeinschaft ist die Mordsgschicht ein alljährlicher Pflichttermin, bei dem man in den Gaststätten zusammenkommt und erfährt, was sich im vergangenen Jahr zugetragen hat. Personen, die Ziel des Spotts werden empfinden es meist als Ehre und Anerkennung. Auch in den umliegenden Gemeinden gab es diese Form des Faschings bis in die 1930er Jahre, danach wurde der Moritatengesang jedoch durch den heute bekannten Fasching mit Prinzenpaar und Umzügen abgelöst. Die Führung der Sänger wird seit mehreren Generationen von PrEsident zu PrEsident übertragen, dem die theatralische und musikalische Gesamtleitung der Sängerrunde obliegt. Die Geschichten werden über das Jahr hinweg gesammelt und ab November zu Moritaten in Reimform verarbeitet. Diese Mordsgschichten sind dann bis zur Aufführung so geheim, dass sogar die Sänger die Texte nur zu den Proben ausgehändigt bekommen. Die Mordsgschicht ist eng in das Traunkirchner Dorfleben eingebunden und stellt ein wichtiges Ereignis für die Ortsbevölkerung dar. In den vergangenen Jahren wurden „Jungsänger“ aufgenommen, damit sichergestellt wird, dass die Tradition auch in der nächsten Generation weitergetragen wird.


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