Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Die Erzeugung der Mollner Maultrommel

Antragsteller: Andreas Rußmann
Bundesland: Oberösterreich
Bereich: Traditionelle Handwerkstechniken
Aufnahmejahr: 2014

Die Maultrommel ist ein kleines Musikinstrument, bestehend aus einem Metallrahmen und einer Stahlzunge. Zwischen die Zähne gepresst nutzt der angezupfte und schwingende Federstahl den Kopf des Musikers als Resonanzraum (siehe Eintragung “Maultrommelspiel in Österreich”). Der Ursprung der Maultrommel wird im Asiatischen Raum vermutet, wobei Funde in Burgruinen und künstlerische Darstellungen in Fresken und Gemälden ihre Verbreitung auch schon im Europa des Mittelalters belegen. Das Bestehen einer Innung der Maultrommelerzeuger ist in Molln seit dem 17. Jahrhundert urkundlich nachweisbar. Von 33 Meistern um 1800 existieren in Molln heute noch drei Familienbetriebe, die Maultrommeln erzeugen und vertreiben. Drei Hauptproduktionsschritte charakterisieren die Herstellung: die Erzeugung bzw. das Biegen des Rahmens, das Stanzen und Einsetzen der Feder in den Rahmen und das Anpassen des Rahmens und Ausformen der Feder. Je nach Qualitätsstandard der Maultrommel werden die Produktionsschritte vollständig in Handarbeit ausgeführt oder maschinell unterstützt hergestellt.

Erste schriftliche Erwähnungen von Maultrommelmachern (Trumblmacher) findet man zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Dokumenten der Pfarre Molln sowie dem Grundbuch der Herrschaft Steyr. Um 1660 ergeht das Ersuchen um eine Handwerksordnung an die Herrschaft Steyr und belegt somit die Notwendigkeit, die im Steyrtal damals schon weitverbreitete Herstellung von Maultrommeln zu reglementieren. Im Zuge der Eisenverarbeitung in der Eisenwurzen hatte sich die Produktion dieses kleinen Musikinstruments im häuslichen Familienverband zu einem einträglichen Erwerb entwickelt. Viele verschiedenste kleine Handgriffe, die zur Produktion einer Maultrommel notwendig sind, wurden auf die Familie aufgeteilt, welche eine autarke Produktionseinheit darstellte. Die Herstellung der „Klöben“, dem Ausgangsmaterial für den Metallrahmen, war den Schmieden vorbehalten. Die gute wirtschaftliche Entwicklung des Handwerks brachte es jedoch mit sich, dass viele dieser Familien zu Besitzern von eigenen Klöbenschmieden wurden. Mit 33 Meistern war um 1800 der Höchststand an Maultrommelmachern dokumentiert. Zirka zwei Millionen Stück Maultrommeln pro Jahr wurden zu dieser Zeit produziert. Heute beläuft sich die jährliche Produktion auf ca. 200.000 bis 300.000 Stück. Das Ausgangsmaterial wird dabei nur mehr für sehr hochwertige Maultrommeln selbst geschmiedet. Trotzdem bleibt die Produktion durch mangelnde Automatisierungsmöglichkeiten für heutige Verhältnisse ein arbeitsintensiver Vorgang, der nur mehr im Nebenerwerb erfolgt. Das erschwert die Betriebsübergabe an die nächste Generation und somit auch die Weitergabe des „Familienhandwerks“. Neben der einfachen Mollner Maultrommel wird heute auch ein besonderes Augenmerk auf speziell handgeschmiedete und gestimmte Spezialmaultrommeln gelegt, welche in über vierzig Länder der Welt exportiert werden.


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