Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Gauderfest in Zell am Ziller

Antragsteller: Tiroler Landestrachtenverband, Obmann Oswald Gredler
Bundesland: Tirol
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste
Aufnahmejahr: 2014

Tirols größtes Frühlingsfest geht auf einen Kirchtag zurück. Der Name bezeichnet den Ort dieses Volksfestes, das sogenannte Gauderlehen. Die bislang älteste Beschreibung dieses Festes stammt aus dem Jahr 1862, obwohl schon frühere Notizen Bezug darauf nehmen. Von den ehemals wichtigen Tierkämpfen wie dem Kuhstechen, Hahnenkämpfen und dem Widderstoßen hat man mittlerweile Abstand genommen und konzentriert sich nun vielmehr auf das im Alpenraum verbreitete "Ranggeln" (siehe Eintragung “Hundstoaranggeln”) mit dem Wettkampf um den "Hogmoar" und den Trachtenumzug. Dieser Umzug zählt zu den größten in Tirol und findet stets am ersten Sonntag im Mai statt. Besonderes Augenmerk legt man beim Gauderfest auch auf die Jugend, die am Samstag ihr Können vor allem auch in tänzerischer Hinsicht zeigen darf.

Das Gauderfest in Zell am Ziller ist eines der größten Frühlingsfeste, das sich im Alpenraum erhalten hat und dessen älteste Hinweise bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen. In einer Urkunde wird das „Gauderlehen“ erwähnt, welches diesem jährlichen Ereignis vermutlich seinen Namen gegeben hat. Bis 1950 wurde das Fest auf eben diesen Grundstücken und in den Gebäuden der bereits um 1500 dort gegründeten Brauerei abgehalten. Venezianische Kaufleute, die regen Warenaustausch mit dem Zillertal pflegten, erwähnen bereits 1428 den Jahrmarkt und Kirchtag in Zell. Aus Anlass des Gauderfestes fanden ein großer Markt und Viehmarkt statt, zu dem neben der bäuerlichen Bevölkerung auch die im Tale ansässigen Bergleute kamen. Es wurden Tänze und Spiele abgehalten und das Volksfest diente natürlich auch als regionaler „Heiratsmarkt. Geprägt wurde das Gauderfest jedoch durch seine Vielzahl an offiziellen Wettkämpfen, die es auch weit über die Grenze des Tales hinaus bekannt machten. Seit Mitte der 1950er Jahre werden Hahnenkämpfe und Kuhstechen und nach Protesten von Tierschützern seit dem Jahr 1999 auch das Widderstoßen nicht mehr durchgeführt. Geblieben ist hingegen das traditionelle Ranggeln, bei dem der „Gauderhogmoar“ alljährlich aus einem Teilnehmeraufgebot aus Tirol, Südtirol, Salzburg, Bayern und der Schweiz ermittelt wird. Dadurch hat sich auch die Wettkampfatmosphäre dieses Volksfestes erhalten. Der Höhepunkt des Gauderfestes ist allerdings der Festumzug, bei dem durchschnittlich mehr als 2000 Trachtenträger aus einer Vielzahl alpenländischer Regionen mitwirken, es heißt aus gutem Grund: „Man trifft sich beim Gauder“. Jedes Jahr werden beim Festumzug bestimmte Themen aufgegriffen, wie historische Anlässe oder der Wandel des Handels bzw. des Gewerbes. Erwähnenswert ist die Einbindung der Jugend, die am Tag vor dem Festumzug besondere Aufmerksamkeit erhält. Mit einem kleinen Umzug wird der Tag eingeleitet, der seine Höhepunkte in den Aufführungen der jungen Trachtengruppen erhält.


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