Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Aberseer Schleuniger

Antragsteller: Matthias Beinsteiner
Bundesland: Oberösterreich, Salzburg
Bereich: Darstellende Künste
Aufnahmejahr: 2014

Der „Schleunige“ – in alten Handschriften auch „Schleinige“ genannt – ist eine ausschließlich im Salzkammergut verbreitete Spiel- und Tanzform. Eine spezielle regionale Variante des Schleunigen findet man rund um den Wolfgangsee (Abersee), also in Abersee, Strobl, St. Wolfgang und St. Gilgen. Mit einer Dauer von zehn bis zwölf Minuten ist der Aberseer Schleunige ein sehr langer und komplexer Tanz, was sich sowohl vokal, instrumental wie auch choreographisch äußert. Das markante rhythmische Element des Schleunigen besteht neben Stampfschritten und Sprüngen der Tänzer vor allem im gemeinschaftlichen Paschen (Klatschen) im Mittelteil des Tanzes. Im Gebiet um den Wolfgangsee wird der „Schleunige“ meist bei Hochzeiten gespielt und getanzt. Je nach Hochzeitsgästen und Vortänzer gestaltet sich der Tanzablauf individuell, wobei aber das Grundgerüst des Tanzes (Einspringen, Kettenform, Gesang und Paschen) unverändert beibehalten wird.

Der Schleunige ist vermutlich die im Salzkammergut älteste bekannte Spiel- und Tanzform. Er wird als Kreis- und Kettentanz bei Hochzeiten sowie bei Schützengesellschaften und Tanzveranstaltungen gespielt, gesungen und getanzt. Die Musik wird heute vorwiegend mit der diatonischen Harmonika bestritten, zu der sich verschiedene Begleitinstrumente gesellen können. Die traditionelle Besetzung besteht allerdings aus zwei Geigen und „Bassettl“ (kleine Bassgeige) oder den regionalspezifischen „Seitlpfeifen“ (klappenlose Querflöten). Als „Aberseer Schleunige“ fand der Tanz erstmals 1933 in einem Aufsatz Erwähnung, dessen Beschreibung im Wesentlichen der derzeitigen Praxis entspricht. Der Name „Schleuniger“ rührt vom äußerst raschen Tempo der Musik. Eine weitere Bezeichnung für diese Tanzform ist „Pfannhauserisch“, diese bezieht sich auf die im Salzbergbau beschäftigten Sudpfannen-Arbeiter („Pfannhauser“), welche den Tanz in den weniger arbeitsintensiven Wintermonaten auf regelrechten Tourneen auch außerhalb des Salzkammerguts vorgeführt und damit ihren Lebensunterhalt etwas aufgebessert haben. Der ebenso gebräuchliche Name „Wadlschindta“ (Wadenschinder) bezieht sich auf die in manchen Varianten vorgesehenen anstrengenden rhythmisierten Stampfschritte der Tänzer. Der Schleunige stellt im Ablauf eines Schützenfestes oder einer Tanzveranstaltung einen gewissen Höhepunkt dar, wobei speziell im Wolfgangseegebiet der „Aberseer Schleuniger“ heute noch als Hochzeitstanz eine besondere Funktion besitzt.


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