Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Trattenbacher Taschenfeitel-Erzeugung

Antragsteller: Kulturverein Heimatpflege Ternberg - Trattenbach
Bundesland: Oberösterreich
Bereich: Traditionelle Handwerkstechniken
Aufnahmejahr: 2015

Beim Trattenbacher Taschenfeitel handelt es sich um ein klappbares Taschenmesser, bestehend aus Klinge und gedrechseltem Holzgriff, das seit fast 600 Jahren im oberösterreichischen Trattenbach manuell gefertigt wird. Viele Menschen tragen den Feitel als ständigen Begleiter mit sich und verwenden ihn vielfältig. So wird er beispielsweise als Jausen- oder Schnitzmesser, zur Schwammerlernte, als Souvenir, Werbeartikel, Schlüsselanhänger oder zum ‚Messerln‘ benutzt, eine Art Geschicklichkeitsspiel, bei dem 2 Spieler gegeneinander antreten und einen halb geöffneten Feitel aus 50cm Höhe auf eine Holzunterlage fallen lassen. Ziel ist es, dass der Feitel im Holz stecken bleibt. Seit 1682 sind die Trattenbacher Messerer als selbstständige Zunft anerkannt. Für die Herstellung des Feitels sind genaue Kenntnisse über Material sowie Erfahrung im Umgang mit Stahl, Holz und Wasserkraft notwendig. Heute gibt es noch zwei Betriebe, die Trattenbacher Taschenfeitel in Handarbeit herstellen. Die Weitergabe des Wissens über die Produktion erfolgt durch betriebsinterne Aufzeichnungen sowie mündlich. Die Nachfolge ist zumindest in einem der beiden Betriebe gesichert.

Die lange Geschichte der Messerschmiede aus Trattenbach (OÖ) steht für eine hohe Kontinuität. 1422 wird die dortige Messererzeugung erstmals urkundlich erwähnt. Seither ist das Taschenfeitel zu einem Symbol (ober-)österreichischer Handwerkskunst geworden. So überstand die Messerschmiede in Trattenbach auch schwierige Zeiten, etwa die Industrielle Revolution. Seine Produktion umfasste nach und nach auch diverse neue Berufsgruppen, deren Namen für die Region charakteristisch sind. Hierzu zählen der „Broater“ (Klingenschmied), der „Härter“, der „Schleifer“, die „Bankfrau“ und der „Drechsler“. Die um die Jahrhundertwende aufkommende starke Konkurrenz aus anderen Produktionsländern, vor allem Asien, verlangte nach einer Vereinfachung der Trattenbacher Produktion, um auf dem Markt attraktiv zu bleiben. Dieser verstärkte Wettbewerb zwang viele Erzeuger der Trattenbacher Taschenfeitel dazu, ihren Betrieb und damit ihr Handwerk aufzugeben. Da eine Mehrzahl der Bewohner Trattenbachs einer Messerer- oder Drechslerfamilie entstammen sind jedoch noch heute viele mit dem Wissen rund um die Produktion und Verwendung der Messer vertraut.
Die Bemühungen des Kulturvereins Heimatpflege Ternberg Trattenbach und der Aufbau des Museumsdorfes Trattenbach, das jährlich ca. 5000 BesucherInnen anlockt, stehen repräsentativ für eine breitere Bevölkerung, die das Wissen um eine raffinierte und gegenwärtig kaum mehr praktizierte Handwerkstätigkeit zu bewahren versucht. Darüber hinaus gibt es österreichweit ca. 30 Feitelklubs. Im Herbst 2015 plant der Kulturverein Trattenbach erstmals ein gemeinsames Treffen, in Zukunft sollen diese dann jährlich stattfinden.

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