Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Metnitzer Kinisingen

Antragsteller: Direktor SR Siegmund Kogler
Bundesland: Kärnten
Bereich: Darstellende Künste
Aufnahmejahr: 2014

Das „Metnitzer Kinisingen“ im Metnitztal in Kärnten scheint in das 16. Jahrhundert zurückzureichen, erstmals schriftlich erwähnt wurde der heute noch gesungene Text in einem Manuskript aus dem Jahr 1724. Zusammen mit den drei Königen und dem Sternträger zieht eine Sängerschar (Rotte) zwischen Neujahr und 6. Jänner (Dreikönigstag) im ganzen Metnitztal von Hof zu Hof und singt die 17 Strophen des „Kinilieds“. Könige und Sternträger führen zum Gesang ein spezielles Schauspiel auf, bei dem sie sich stumm nach genau festgelegten Regeln bewegen. Zusätzlich zu den 17 Strophen werden den Hausleuten Wünsche für ein gutes Jahr vorgetragen. Statt Geld erhält die Rotte nach der Darbietung eine Stärkung, um nach einem Schlusslied weiterzuziehen.

In Österreich entstanden die Bräuche des Sternsingens zu Zeiten der Gegenreformation in der Mitte des 16. Jahrhunderts, wohl auch das „Metnitzer Kinisingen“. Die 17 Strophen des balladenartigen „Metnitzer Dreiköniglieds“, das die Geschichte der Heiligen Drei Könige erzählt, stammen dabei aus einem handgeschriebenen Gebetsbüchlein, das auf 1724 rückdatiert werden konnte. Durch Flugblätter ist dieses Dreikönigslied mit dem Titel „Ich lag in einer Nacht und schlief“ jedoch schon ab circa 1560 nachweisbar. Bis 1937 wurde das „Metnitzer Kinisingen“ jedes Jahr in den Talschaften der Gemeinde Metnitz aufgeführt, wobei die neun männlichen Sänger traditionell aus den neun Gräben der Gemeinde kamen. Während des 2. Weltkrieges ruhte der Brauch und wurde nach 1945 durch den ortsansässigen Messner und seine Familie weitergeführt. Das nach dem Krieg vorerst letzte Singen wurde 1953 abgehalten, bis im Jahr 1990 das von einem Brand beschädigte Büchlein mit dem handgeschriebenen Text auf einem Dachboden gefunden wurde. Durch die Erinnerungen von ehemals mitwirkenden „Kinisängern“ und ortsansässigen Frauen, die den Brauch noch aus Kindertagen kannten, konnten die komplizierten Figuren der Könige und des Sterns, die Melodie sowie alle Strophen weitergegeben werden. Auch die alten, mit Leinen bespannten Holzkronen, die durch Kerzen zum Leuchten gebracht werden und der Stern wurden in einem Getreidespeicher entdeckt. Fortan zieht die Rotte nicht nur von Hof zu Hof, sondern auch zu Häusern in den Orten Metnitz, Grades, Oberhof, Feistritz und Lassnitz um das 17-strophige Lied zu singen. Anders als bei anderen Arten des Königssingens erzählen im Metnitztal nicht die Könige selbst die Geschichte ihrer Reise, sondern die sie begleitenden Sängerinnen und Sänger. Die Könige, gekleidet in einfache, weiße Gewänder, spielen die traditionelle Geschichte nur stumm nach – die Reihenfolge ist dabei stets Begrüßung, Verneigung, Beratung, Sternsuchen, Achtergehen, Opfergaben. Ergänzt werden die 17 Strophen durch so genannte „Wunschstrophen“ für ein gutes neues Jahr. In den letzten Jahren wurde es in den besuchten Familien üblich auch Nachbarn, Verwandte und Freunde einzuladen, um die Rotte gemeinsam zu empfangen.


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