Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Anklöpfeln im Tiroler Unterland

Antragsteller: Joch Weißbacher i. V. Oberauer Anklöpfler
Bundesland: Tirol

Das Anklöpfeln ist ein im Tiroler Unterinntal gepflegter Brauch. Dabei verkleidet sich eine Gruppe zumeist männlicher Sänger als Hirten und stattet danach an den drei Donnerstagen vor Weihnachten (Klöpflnächte) den Häusern der Nachbarschaft einen Besuch ab. Die Sänger werden in das Haus gebeten und stimmen dort einige Lieder an, die die Weihnachtsbotschaft von der Geburt Jesu verkünden.


Apothekeneigene Hausspezialitäten

Antragsteller: Kurapotheke Bad Ischl, Mag. Manfred Heimo Hrovat
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Apothekeneigene Hausspezialitäten, das Wissen um ihre Herstellung und die dazu erforderlichen Gerätschaften zählen seit langem zur gelebten Apothekentradition und stellen ein ursprünglich mündlich überliefertes, später in Rezepturbüchern aufgezeichnetes Fachwissen über Heilmittel und Heilwissen sowie den Umgang mit der Natur dar. Österreichs ApothekerInnen verstehen dieses tradierte Wissen als Bestandteil ihres Kulturerbes.


Axamer Wampelerreiten

Antragsteller: Daniel Klotz
Bundesland: Tirol

Das Wampelerreiten ist fixer Bestandteil des Faschingsgeschehens in Axams und wird jährlich am sogenannten ‚Unsinnigen Donnerstag‘ vor dem Faschingssonntag durchgeführt. Im Vordergrund stehen die namensgebenden Wampeler - junge Burschen und Männer, die ein weites, weißes Leinenhemden tragen, das mit Heu prall ausgestopft wird. Dadurch erhalten die Wampeler ihre „Wampe“, womit umgangssprachlich ein dicker Bauch bezeichnet wird. Mit einem roten, kurzen Rock über der Hose und einem breiten Ledergürtel sowie mit einem kurzen Holzstock ausgestattet ziehen die Wampeler in gebückter Haltung durch den Ort. Ihre Gegenspieler sind die „Reiter“, die versuchen, die Wampeler umzustoßen und auf den Rücken zu legen, um deren weißes Hemd zu beschmutzen. Der Stock hilft den Wampelern, das Gleichgewicht zu halten sowie unfaire Angriffe von vorne abzuwehren. Nach mehreren Runden durch den Ort wird am Abend beim Dorfwirt der beste Wampeler mit dem saubersten Rücken gekürt. Begleitet wird das Axamer Wampelerreiten von sogenannten ‚Banden‘, die während der Fastnacht verkleidet von Gasthaus zu Gasthaus ziehen, um zu musizieren, zu tanzen und Dorfbegebenheiten zu persiflieren.


Bergfeuer Ehrwald

Antragsteller: Karlheinz Somweber, Erich Steiner, Martin Senftlechner, Gebhard Schatz, Ehrwald e.V
Bundesland: Tirol

Jährlich zur Sommersonnwende am 21. Juni leuchten im Ehrwalder Talkessel die Bergfeuer. Die aufwändige Vorbereitung liegt in den Händen mehrerer Gruppen, von denen jede ein eigenes Motiv wählt, das maßstabsgerecht gezeichnet, entsprechend der Geländeneigung gestreckt und mit Brennmaterial gelegt wird. Über diese Motive, die stets Aktualität besitzen, herrscht bis 21. Juni vollständiges Stillschweigen.


Blochziehen in Fiss

Antragsteller: Verein "Blochziehen Fiss": Obmann Christian Kofler, Obmannstellv. Thomas Wachter
Bundesland: Tirol

Das Blochziehen in Fiss gehört zu den größten Fasnachtsbräuchen im Alpenraum. Es findet im Zweijahresrhythmus statt, wobei sich das Blochziehen der Erwachsenen mit jenem der 6-14 Jährigen, dem Kinder-Blochziehen, abwechselt. Im Spätherbst erfolgt das Blochbaumholen: eine stattliche Zirbe wird gefällt, bewacht und zwei Tage vor dem Umzug auf drei Schlitten aufgelegt. Am Tag des Umzugs versammeln sich die teilnehmenden Figuren im Dorfzentrum, und auf Kommando des Fuhrmannes beginnt sich der Bloch, geschoben von zahlreichen Vermummten, in Bewegung zu setzen. Hexen und „Schwoaftuifl“ versuchen, das Fortkommen zu erschweren. Spielerische Elemente sind nicht nur wesentliche Details, sondern dienen auch der Unterhaltung der Zuschauenden. Nachdem der Bloch beim Schulhaus angelangt ist, wird er versteigert.


Erfahrungswissen im Umgang mit der Lawinengefahr

Antragsteller: Alpinarium und Gemeinde Galtür, Lawinenkommission Gargellen, Montafoner Museen, Österreichischer Alpenverein, Österreichischer Berg- und Schiführerverband
Bundesland: Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg

Der alpine Lebensraum fordert von seinen BewohnerInnen eine intensive Auseinandersetzung mit dem hochkomplexen Phänomen Lawine. Die Aneignung von Wissen über Lawinen ist seit Beginn der Nutzung des Alpenraums notwendig, um dort überleben zu können. Bis heute sind Lawinen nicht vollständig durch die Wissenschaft berechen- und vorhersagbar. Umso höher ist daher der Stellenwert von Erfahrungswissen im Umgang mit der Lawinengefahr. Dieses Erfahrungswissen ist zum Teil ortsbezogen und wird durch alpine Organisationen, innerhalb der Familie bzw. in der Schule weitergegeben. Der Erwerb von Wissen erfolgte in der Vergangenheit durch intensive Naturbeobachtung und den schmerzhaften Lernprozess nach Lawinenkatastrophen. Die Vermittlung und Tradierung dieses Erfahrungswissens geschah jahrhundertelang mündlich von einer Generation zur nächsten. Seit dem 20. Jahrhundert – verstärkt ab den 1950er Jahren – wird es von wissenschaftlichen Forschungen ergänzt. So hat sich im Laufe der Zeit der Schutz des Siedlungsraumes und der Verkehrswege sukzessive verbessert und das Wissen im Umgang mit der Lawinengefahr wird heute von lokalen und überregionalen Gemeinschaften in den Bereichen Sicherheit, Bildung, Technik und Rettungswesen vermittelt und angewendet.


Falknerei

Antragsteller: HR Dr. Harald Barsch, Österreichischer Falknerbund und Zentralstelle Österreichischer Falknervereine (ZÖF)
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Falknerei ist die Kunst, mit Vögeln zu jagen. Im engsten Sinne umfasst der Terminus „Falknerei“ die Jagd mit speziell dafür abgerichteten Falken, es werden aber auch Habichte, Sperber und Adler eingesetzt. Neben der Jagd dient die Falknerei auch der Nachzucht von Greifvögeln.


Fasnacht Imst - Schemenlaufen

Antragsteller: Die Gemeinschaft der Imster Fasnachtler, Obmann Uli Gstrein, Mag. Manfred Thurner
Bundesland: Tirol

Schemenlaufen wird in Imst im Tiroler Oberland ein Umzug zur Fasnachtszeit mit 26 unterschiedlichen Maskentypen genannt. Dieses Ereignis findet alle vier Jahre statt.


Fasnacht Nassereith - Schellerlaufen

Antragsteller: Obmann Spielmann Gerhard im Namen vom Fasnachtskomitee Nassereith für die Gemeinschaft der Nassereither Fasnacht
Bundesland: Tirol

Bei der Fasnacht Nassereith, seit 1951 auch als „Schellerlaufen“ bezeichnet, handelt es sich um einen Fasnachtsbrauch, welcher in einem Intervall von drei Jahren in der Ortsgemeinde Nassereith, Bezirk Imst/Tirol, an einem Tag zwischen dem Dreikönigstag (6. Jänner) und Aschermittwoch stattfindet. Im Zentrum der Nassereither Fasnacht steht der Umzug, welcher sich durch seine Farbenpracht und die typischen Holzlarven auszeichnet. Dabei wird das Schellerlaufen nach genau überlieferten Regeln durchgeführt und das Wissen um die Herstellung der Masken, Kostüme und Fasnachtsutensilien von Generation zu Generation weitergegeben. Für die Organisation und Abwicklung der Fasnacht wird seit dem Jahr 1923 ein Fasnachtskomitee für die Dauer von 6 Jahren gewählt.


Gauderfest in Zell am Ziller

Antragsteller: Tiroler Landestrachtenverband, Obmann Oswald Gredler
Bundesland: Tirol

Tirols größtes Frühlingsfest geht auf einen Kirchtag zurück. Der Name bezeichnet den Ort dieses Volksfestes, das sogenannte Gauderlehen. Die bislang älteste Beschreibung dieses Festes stammt aus dem Jahr 1862, obwohl schon frühere Notizen Bezug darauf nehmen. Von den ehemals wichtigen Tierkämpfen wie dem Kuhstechen, Hahnenkämpfen und dem Widderstoßen hat man mittlerweile Abstand genommen und konzentriert sich nun vielmehr auf das im Alpenraum verbreitete "Ranggeln" mit dem Wettkampf um den "Hogmoar" und den Trachtenumzug. Dieser Umzug zählt zu den größten in Tirol und findet stets am ersten Sonntag im Mai statt. Besonderes Augenmerk legt man beim Gauderfest auch auf die Jugend, die am Samstag ihr Können vor allem auch in tänzerischer Hinsicht zeigen darf.


Heiliggrab-Bruderschaft Pfunds

Antragsteller: Heiliggrab-Bruderschaft Pfunds, Prof. Robert Klien
Bundesland: Tirol

Seit mehr als 500 Jahren existiert die „Heiliggrab-Bruderschaft“. Sie hat sich das Aufstellen des Heiligen Grabes in der Liebfrauenkirche in Pfunds am Samstag vor dem Palmsonntag sowie die ununterbrochene Anbetung des Allerheiligsten von Karfreitag bis Karsamstag zur Aufgabe gemacht. Grabbruder zu sein ist eine hohe Ehre und diese Funktion wird ohne Unterscheidung in Stand, Bildung, Ansehen oder Vermögen von Generation zu Generation weitergegeben. Seit jeher ist diese Laien-Bruderschaft unabhängig von Kirche und Gemeindeverwaltung. Sie umfasst 12 Gruppen zu je 16 Männer und bindet Frauen und Jugendliche in das Brauchtum mit ein.


Herstellung von Terrazzo in traditioneller Handwerkstechnik

Antragsteller: Ing. Gabriele Pia Stuhlberger
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Terrazzo ist ein langlebiger, beanspruchbarer und pflegeleichter Bodenbelag mit vielfältigen Mustermöglichkeiten. Portionsweise wird mit Schaufeln Mörtel aufgetragen und je nach Terrazzoart händisch Steine mit einem Korndurchmesser von ca. 10 – 22mm dicht eingestreut. Anschließend werden die Terrazzokörner geprackt (= geschlagen), mit der eisernen Terrazzowalze gewalzt und mehrfach händisch geglättet, um eine gleichmäßige Kornverteilung zu garantieren. Nach der Aushärtung erfolgen mehrere Nassschliffe, dazwischen wird Spachtelmasse, die die TerrazzomacherInnen selbst herstellen, aufgetragen. So stellt jeder Terrazzoboden ein handwerkliches Unikat dar. Verwendet werden bevorzugt regionale Rohstoffe und die Fertigung kommt ohne chemische Zusatzstoffe aus.


Köhlerei

Antragsteller: Peter Wieser, Vorstandsmitglied im Europäischen Köhlerverein und Sprecher der österreichischen Köhler
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Bei der Köhlerei handelt es sich um eine Handwerkstechnik aus dem bäuerlichen Umfeld, die primär der Erzeugung von Holzkohle dient. Mittels trockener Destillation wird Holz unter Luftabschluss erhitzt und über eine Zeitspanne von mehreren Wochen durchgekohlt, wobei es in möglichst reinen Kohlenstoff umgewandelt wird.


Märchenerzählen

Antragsteller: Helmut Wittmann
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Märchenerzählen ist die Kunst, Menschen mit Geschichten auf spielerische und geistig anregende Weise zu unterhalten.


Maultrommelspiel in Österreich

Antragsteller: Obmann Dr. Franz Kumpl für den Österreichischen Maultrommelverein
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Das Maultrommelspiel zählt zu den ältesten Musikpraktiken der Menschheit und ist vor allem bei den asiatischen Turkvölkern und in Europa verbreitet. Die Maultrommel ist ein Bordun-Instrument, das aus verschiedenen Materialen, z.B. Metall oder Bambus, hergestellt wird. Dabei haben sich Zentren der Produktion und des Spiels mit eigenständigen Charakteristiken herausgebildet. Seit dem Mittelalter ist Molln die österreichische Erzeugungsstätte, wo sich sogar eine eigene Zunft der Maultrommelmacher etablieren konnte. Historisch spielte die Maultrommel im Alpenraum sowohl bei der Liebeswerbung wie auch beim geselligen Musizieren eine wichtige Rolle. In Österreich ist das Maultrommelspiel bis heute besonders durch die Wechseltechnik charakterisiert. Dabei verwendet ein Spieler zwei bis vier unterschiedlich gestimmte Maultrommeln entweder als Soloinstrument, im Duett oder als Trio, am häufigsten jedoch in Verbindung mit anderen Instrumenten.


Mullen und Matschgern in den MARTHA-Dörfern

Antragsteller: Martin Kapferer i.V. Gemeinschaft der Muller und Matschgerer der Stadtteile Mühlau und Arzl bzw. der Dörfer Rum, Thaur und Absam
Bundesland: Tirol

Der in der Fastnacht praktizierte Brauch des Mullens beziehungsweise Matschgerns (von Maske/Maskieren) blickt in den MARTHA-Dörfern nördlich von Innsbruck auf eine jahrhundertelange Tradition zurück. Jeder Figur kommt eine spezielle Rolle zu, so fungieren die Hexen als Wegbereiter, andere Figuren wie etwa der Spiegeltuxer beeindrucken durch ihr imposantes Auftreten und wieder andere sind als Ordnungshüter tätig. Das ausgelassene und bunte Treiben gipfelt im so genannten Mullen oder Abmullen, einer Art Ehrbezeugung, bei der sich der Brauchträger eine Person aus der Menge aussucht, ihre Schulter reibt und ihr einen kleinen Schlag versetzt.


Österreichische Gebärdensprache

Antragsteller: Helene Jarmer, Präsidentin des Österreichischen Gehörlosenbundes
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) bildet das soziale und kulturelle Fundament der österreichischen Gebärdensprachgemeinschaft. Sie ist die Muttersprache gehörloser Menschen in Österreich und somit ein wesentlicher Teil ihrer Identität. Seit 2005 ist die ÖGS rechtlich als eigene Sprache anerkannt, jedoch verstehen sich deren AnwenderInnen noch immer als sprachlich-kulturelle Minderheit in Österreich. Die ÖGS wird hauptsächlich von gehörlosen Personen gesprochen und vereinzelt auch von hörenden Menschen als zusätzliche Sprache erlernt. Sie wird österreichweit verwendet und beinhaltet Dialekte, die sich durch regionale Spezifika auszeichnen. Bereits im Jahr 1779 wurde in Wien die erste Gehörlosenschule gegründet. Seither wird die Sprache in entsprechenden Schulen, Vereinen und Familien gepflegt und überliefert. Zudem wird sie in Form von Poesie, Theater und darstellender Kunst übermittelt.


Österreichische Volkstanzbewegung

Antragsteller: Dr. Helmut Jeglitsch, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Österreichischer Volkstanz
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Die österreichische Volkstanzbewegung wurzelt in der Forschung und Sammeltätigkeit einiger Persönlichkeiten des ausklingenden 19. Jahrhunderts und nahm Anleihen aus ländlichen oft nur noch in Resten erkennbaren Traditionen. Gleichzeitig mit der Systematisierung und Aufzeichnung der verschiedenen Tänze begann auch die Ausrichtung auf österreichische Besonderheiten. Die Tänze wurden jedoch nicht nur gesammelt und für die Nachwelt gesichert, sondern auch wieder verstärkt gelehrt und somit vor dem Aussterben bewahrt.


Österreichisches Sensenschmieden

Antragsteller: Sensenverein Österreich - Hansjörg Rinner
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Die Sense zählte vor der Mechanisierung der Landwirtschaft weltweit zu den wichtigsten Erntegeräten. Auch nach der Einführung von Mähmaschinen blieb sie es für bäuerliche Kleinbetriebe und somit für die regionale Grundversorgung bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. Günstige wirtschafts-geografische Voraussetzungen (Vorkommen von Eisen, Holz und Wasser) führten in österreichischen Regionen schon in vorindustrieller Zeit zu einem Anwachsen der Sensenerzeugung weit über den Inlandsbedarf hinaus und damit einhergehend zu einem über Jahrhunderte erworbenen Fachwissen, welches die „blaue“ Sense zu einem österreichischen Exporterfolg machte. Mit dem Aufkommen mechanisierter Erntetechniken begann die Industrie des Sensenschmiedens in Österreich jedoch zu stagnieren. Von den etwa 215 Sensenschmieden um 1900 bestehen in Österreich heute nur noch zwei Herstellerbetriebe.


Ötztaler Mundart

Antragsteller: Prof. Dr. Hans Haid, Ötztal-Archiv des Ötztaler Heimatvereins
Bundesland: Tirol

Die Ötztaler Mundart stellt das stärkste und am meisten prägende Element der lokalen Identität der Bevölkerung des Ötztales dar. Sie blickt auf eine rund 900-jährige Tradition zurück.


Passionsspiele Erl

Antragsteller: Passionspielverein Erl
Bundesland: Tirol

Seit 400 Jahren finden in einem Zyklus von sechs Jahren die traditionellen Passionsspiele Erl statt, die ihren Ursprung in den christlichen Osterspielen haben. Trotz bereits international renommiertem Ruf und regem Zuschauerbesuch sind es insbesondere die EinwohnerInnen von Erl, die für die Bewahrung dieser traditionell christlichen Spiele eintreten. Es sind nicht professionelle SchauspielerInnen, sondern die BewohnerInnen der Ortschaft selbst, die regelmäßig auf der Bühne stehen. Die Rekrutierung der etwa 600 MitspielerInnen erfolgt ein Jahr vor der Aufführung. Mitglieder des Komitees gehen von Haus zu Haus und fragen die in Erl ansässige Personen, ob sie bei den Passionsspielen mitwirken möchten – ohne Anspruch auf eine bestimmte Rolle und unter Einbeziehung aller Generationen. Mit Bedacht auf den religiösen Hintergrund und den Wunsch der Mitwirkenden nach Kontinuität gehören Änderungen an Text, Musik und auch den Kostümen zur Weiterentwicklung und Aktualisierung der Aufführungspraxis.


Perlåggen im Tiroler Oberland und im Raum Innsbruck

Antragsteller: : Institut für "ALPENLÄNDISCHE TRADITIONSKARTENSPIELE -Watten, Bieten,Gilten und Perlaggen", Telfs - NOAFLHAUS, Hubert Auer (Vorstand), Telfs. Bernhard Moll, Imst und Peter Blaas, Mieming.
Bundesland: Tirol

Perlåggen ist ein Kartenspiel, das heute vor allem im Tiroler Oberland und im Raum Innsbruck gespielt wird. Zwei Teams aus meist zwei Personen sitzen einander gegenüber, versuchen sich mittels verbalen und nonverbalen Geheimzeichen auszutauschen und möglichst viele Punkte zu gewinnen. Gespielt wird mit 33 Spielkarten mit deutschen Farbzeichen (Eichel, Laub, Schell und Herz), wobei je nach Ort und Situation bis zu acht Karten als ‚Perlågg‘ festgelegt werden, die eine Sonderfunktion erhalten. Flunkern und Täuschen sind wichtige Elemente des Spiels. Auch das sogenannte ‚Perlågger-Latein‘ oder ‚Kårter-Sprech‘ kommt zum Einsatz und hält eigene Bezeichnungen für bestimmte Spielzüge, spezielle Karten und das Loben und Tadeln von Spielverhalten bereit. Perlåggen wird unabhängig von Alter, Stand und Geschlecht vor allem in Gasthäusern und Privathaushalten gespielt. Jährlich finden lokale Turniere statt und seit einigen Jahren wird abwechselnd in Süd- und Nordtirol eine Gesamttiroler Perlåggermeisterschaft ausgetragen.


Ratschen in der Karwoche

Antragsteller: Franz Ederer
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Ratschen ist ein Lärmbrauch, der in verschiedenen Formen in den Tagen vor Ostern in weiten Teilen Österreichs praktiziert wird. Zentral dabei ist die sogenannte Ratsche, ein Holzschrapinstrument, dessen Geräusch von Gründonnerstag bis Ostersonntag die dann verstummten Kirchenglocken ersetzen soll. Bei der am häufigsten verbreiteten Form des Ratschens gehen Kinder zu verschiedenen Zeiten durch den Ort, ratschen und sagen nach einem bestimmten Ablauf Sprüche auf. Die Sprüche können von Region zu Region variieren und werden entweder von älteren Kindern an jüngere weitergegeben oder von einer erwachsenen Betreuungsperson gelehrt. Der am häufigsten auftretende Spruch ist der sogenannte Englische Gruß: “Wir ratschen, wir ratschen den Englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss. Kniet's nieder, kniet's nieder auf euere Knie, bet's drei Vater Unser und ein Ave Marie”. Nach dem Ratschen werden die Kinder beim sogenannten ‚Absammeln‘ mit Geld, Süßigkeiten oder Ostereiern belohnt.


Reither Nikolausspiel

Antragsteller: Johann Hechenblaikner im Auftrag der „Bundesmusikkapelle Reith im Alpbachtal“ und von Max Feichtner (Besitzer des Nikolausspiel-Manuskripts)
Bundesland: Tirol

Das Reither Nikolausspiel findet im Abstand von sieben Jahren in Reith im Alpbachtal statt. Der älteste Hinweis auf dieses Volksschauspiel stammt aus dem Jahr 1868, wobei die Grundlage für die heutige Fassung bereits 1875 verschriftlicht wurde. Diese im Kern kirchlich-pädagogische Aufführung wurde bis 1919 als Stubenspiel aufgeführt, bei dem örtliche Laiendarsteller in Reith von Bauernhof zu Bauernhof zogen und einzelne Szenen spielten. Das Reither Nikolausspiel besteht aus zwölf für die Nordtiroler Varianten typischen Szenen („Bilder“ genannt), in denen die Auflehnung der Armen gegen die Reichen und Mächtigen sowie der Kampf zwischen Gut und Böse dargestellt werden.


Sakramentsgarden in Tirol

Antragsteller: Karl Wurzer
Bundesland: Tirol

Die Tiroler Sakramentsgarden wurden vor etwa 500 Jahren nach dem spanischen Vorbild der Corpus-Christi-Bruderschaften gegründet. Ihrer ursprünglichen Tätigkeit als Schutz- und Ehrenbegleitung des Allerheiligsten bei Prozessionen gehen sie bis heute unverändert nach. Im Laufe der Geschichte sind die Tiroler Sakramentsgarden mehrfach aufgelöst worden, wobei an den Orten Thaur, Hall, Volders und Schwaz die Erhaltung der Tradition gelungen ist. In historischer Kleidung und Ausrüstung rücken die vier Garden bei offiziellen kirchlichen und weltlichen Anlässen gemeinsam aus. Die einzelnen Sakramentswachen begleiten zudem private Feiern wie Hochzeiten oder Begräbnisse. Seit jeher übernehmen die Mitglieder auch Tätigkeiten in sozialen und kulturellen Bereichen in ihren Gemeinden.


Sternsingen im Villgratental (Außervillgraten und Innervillgraten)

Antragsteller: MMag. Robert Schmidhofer, Hermann Lanser
Bundesland: Tirol

Jedes Jahr zwischen Weihnachten und dem Fest der Heiligen Drei Könige findet im Villgratental das traditionelle Sternsingen statt. Zwei Tage lang gehen zwei Gruppen in eigens dafür angefertigten Kleidern von Haus zu Haus und singen überlieferte Neujahrslieder.


Stille Nacht - das Lied zur Weihnacht

Antragsteller: MMag. Michael Neureiter i.V. Stille-Nacht-Gesellschaft
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Das im Jahr 1818 komponierte Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ bildet für zahlreiche Menschen einen Fixpunkt des Heiligen Abends und ist aus Feiern im Familien- und Freundeskreis sowie kirchlichen Feiern, insbesondere der Christmette, nicht wegzudenken. Für viele ist es der Inbegriff des Weihnachtsliedes überhaupt.


Telfer Schleicherlaufen

Antragsteller: Fasnachtkomitee Telfs, Obmann Dr. Stephan Opperer
Bundesland: Tirol

Rund 500 Männer nehmen aktiv an der Tradition des Telfer Schleicherlaufens teil. Alle fünf Jahre finden sie sich neu in ihren Fasnachtsgruppen zusammen. Diverse Fasnachtschroniken belegen, dass viele Familien seit Generationen am Telfer Schleicherlaufen teilnehmen. Ein großer Teil der Telfer Bevölkerung ist auch durch das Herrichten der Gewänder, das Ausbessern des Schmuckes etc. in die Fasnachtsvorbereitungen eingebunden.


Transhumanz – Schafwandertriebe in den Ötztaler Alpen

Antragsteller: Kulturverein Schnals; Verein Pro Vita Alpina Österreich
Bundesland: Tirol

Die Transhumanz in den Ötztaler Alpen ist eine besondere Form des Schafwandertriebs. Die Wanderungen verlaufen über das Timmelsjoch (2494m), das Hochjoch (2885m) und das Niederjoch (3017m) und gelten als die einzige grenzüberschreitende Transhumanz in den Alpen, die über Gletscher führt. Dabei werden nicht nur klimatische, sondern auch Ländergrenzen überschritten. Jährlich werden im Frühsommer rund 5.000 bis 5.500 Schafe aus Südtirol in die Ötztaler Weidegebiete getrieben und im Herbst wieder zurückgetrieben.


Vergolden und Staffieren

Antragsteller: Waltraud Luegger
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Vergolden und Staffieren wird seit der Antike praktiziert, um Objekten den Anschein massiven Goldes zu geben. Dafür gibt es unterschiedliche Techniken, wie die Poliment- und Ölvergoldung. Staffieren, früher als Fassmalerei bekannt, bedeutet das Bemalen und Fassen von nicht vergoldeten Oberflächen. Dazu zählen unter anderen das Marmorieren, Holzimitation und die Porzellanimitation. Das Wissen über die komplexen Techniken wird in weiten Teilen mündlich weitergegeben und bis zur Beherrschung dauert es mehrere Jahre. Die Blütezeit des Vergoldens und Staffierens lag im Barock und Rokoko und auch im Jugendstil und Art Deco waren diese Techniken hochgefragt. Ab der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm das Interesse stark ab, zeitgenössische Architektur sieht heute kaum mehr Veroldungen vor, sodass immer weniger Handwerksbetriebe vorhanden sind, um die Techniken auszuüben und zu tradieren.


Widderprozession nach Obermauern

Antragsteller: Bürgermeister Ing. Dietmar Ruggenthaler (Gemeinde Virgen), Bürgermeister Anton Steiner (Gemeinde Prägraten)
Bundesland: Tirol

Der Brauch der Widderprozession reicht in die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs zurück. Aus Dankbarkeit für die Erlösung von der Pest begehen die Bewohner von Virgen und Prägraten bis heute am ersten Samstag nach Ostern, dem sogenannten „Weißsamstag“, eine Wallfahrt mit einem Widder. Jährlich abwechselnd führt eine der beiden Gemeinden einen weißen, festlich geschmückten Widder zur Wallfahrtskirche Maria Schnee. Im Anschluss an die heilige Messe findet vor der Kirche eine Verlosung des Tieres statt.


Wissen um die Haselfichte als Klangholz

Antragsteller: Kassian Erhart, Verein Forum Haselfichte
Bundesland: Tirol

Haselfichten mit ihrem genetisch verankerten Haselwuchs kommen meist in den Waldbeständen der Alpen über 1200 Meter Meereshöhe vor. Nur wenige Holzfachleute sind imstande, diese Holzqualität am stehenden Baum zu erkennen. Eindeutig zu bestimmen ist die Haselfichte, wenn man ein Stückchen Rinde entfernt – und zwar an den in Längsrichtung verlaufenden Rillen. Aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften wird das Holz der Haselfichte seit jeher für den Instrumentenbau, bei dem höchste Ansprüche an die Holzqualität gestellt werden, verwendet.


Wissen um die Standorte, das Ernten und das Verarbeiten des punktierten Enzians

Antragsteller: Gemeinde Galtür, Bürgermeister LR Anton Mattle
Bundesland: Tirol

Das Wissen um die Standorte, das Ernten und das Verarbeiten des Punktierten Enzians (gentiana punctata) wird in der Tiroler Gemeinde Galtür seit Jahrhunderten weiter gegeben. In den Prozess der Ernte – das Graben und Stechen der kostbaren Wurzel – sowie der Weiterverarbeitung – das Brennen des „Enzer“-Schnaps – ist meist die gesamte Bevölkerung eingebunden. Bis heute wird durch Losentscheid jährlich beim Kirchtag festgelegt, welche Familien an der Wurzelgewinnung teilnehmen und den Schnaps brennen dürfen. Seit dem 17. Jahrhundert garantieren lokale Reglementierungen des Wurzel-Sammelns und allgemeine Naturschutzbestimmungen den nachhaltigen Bestand dieser seltenen Enzianart.


Wissen um traditionellen Samenbau und Saatgutgewinnung

Antragsteller: Verein ARCHE NOAH
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Jede Kultur hat spezifische Arten und Sorten als Nahrungspflanzen hervorgebracht und das Wissen und die Techniken haben sich den Ernährungsgewohnheiten und den klimatischen Voraussetzungen angepasst. BäuerInnen und GärtnerInnen haben durch gezieltes Anbauen, Pflegen, Auswählen, Nutzen und Vermehren eine enorme Vielfalt geschaffen. Das Wissen um Samenbau, Samenernte, Selektion, Reinigung und Lagerung wurde und wird in Familien, aber auch in Gemeinschaften von Generation zu Generation weitergegeben. Die bestens an die regionalen Bedingungen angepassten Hof- und Lokalsorten sind nicht nur Ernährungsgrundlage von Familien, Gemeinschaften und Regionen, sondern schaffen innerhalb dieser auch gemeinsame Identität. So sind etwa der Lungauer Tauernroggen, die Wildschönauer Krautingerrübe oder der Vorarlberger Riebelmais unmittelbar mit lokalen Produkten bzw. Gerichten verbunden.


Zachäussingen in Zirl

Antragsteller: Marktgemeinde Zirl
Bundesland: Tirol

Das Zachäussingen in Zirl ist ein Kirchtagsbrauch, der am dritten Sonntag im Oktober ab 4:30 Uhr früh begangen wird. Die Besonderheit ist neben der Uhrzeit vor allem die Verbindung von religiöser und weltlicher Praxis. Jährlich versammeln sich etwa 200 Menschen am Platz vor der Kirche und stimmen gemeinsam mit musikalischer Umrahmung durch den Kirchenchor und einer Bläsergruppe das Zachäuslied an, das im 18.Jh. von einem Zirler Messner geschrieben wurde und von Buße und Reue handelt. Von der Kirche aus gehen sie gemeinsam zum nahegelegenen Dorfplatz. Dort ist das Zachäuslied ein zweites Mal zu hören, bevor der weltliche Teil des Kirchtags beginnt. MusikantInnen spielen auf und es wird auf den Straßen getanzt. PfadfinderInnen und Jungschargruppen stellen Kirchtagskrapfen zur Verfügung, die sie gemeinsam am Vorabend herstellen. Das Zachäussingen hat gemeinschaftsfördernden Charakter. Schon in die Vorbereitung sind viele Personen und Vereine involviert. Der Brauch an sich fungiert als bindendes Glied in der - bedingt durch die Nähe zu Innsbruck - stetig wachsenden Gemeinde und verbindet Zugezogene mit Einheimischen.