Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Aberseer Schleuniger

Antragsteller: Matthias Beinsteiner
Bundesland: Oberösterreich, Salzburg

Der „Schleunige“ – in alten Handschriften auch „Schleinige“ genannt – ist eine ausschließlich im Salzkammergut verbreitete Spiel- und Tanzform. Eine spezielle regionale Variante des Schleunigen findet man rund um den Wolfgangsee (Abersee), also in Abersee, Strobl, St. Wolfgang und St. Gilgen. Mit einer Dauer von zehn bis zwölf Minuten ist der Aberseer Schleunige ein sehr langer und komplexer Tanz, was sich sowohl vokal, instrumental wie auch choreographisch äußert. Das markante rhythmische Element des Schleunigen besteht neben Stampfschritten und Sprüngen der Tänzer vor allem im gemeinschaftlichen Paschen (Klatschen) im Mittelteil des Tanzes. Im Gebiet um den Wolfgangsee wird der „Schleunige“ meist bei Hochzeiten gespielt und getanzt. Je nach Hochzeitsgästen und Vortänzer gestaltet sich der Tanzablauf individuell, wobei aber das Grundgerüst des Tanzes (Einspringen, Kettenform, Gesang und Paschen) unverändert beibehalten wird


Apothekeneigene Hausspezialitäten

Antragsteller: Kurapotheke Bad Ischl, Mag. Manfred Heimo Hrovat
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Apothekeneigene Hausspezialitäten, das Wissen um ihre Herstellung und die dazu erforderlichen Gerätschaften zählen seit langem zur gelebten Apothekentradition und stellen ein ursprünglich mündlich überliefertes, später in Rezepturbüchern aufgezeichnetes Fachwissen über Heilmittel und Heilwissen sowie den Umgang mit der Natur dar. Österreichs ApothekerInnen verstehen dieses tradierte Wissen als Bestandteil ihres Kulturerbes.


Aufstellen und Besuch der Landschaftskrippen im Salzkammergut

Antragsteller: Heimat- und Musealverein Ebensee
Bundesland: Oberösterreich

Die Landschaftskrippen sind typische Volkskrippen, die die biblische Geschichte von der Geburt Christi in eine lokale Szenerie einbetten. Nachdem 1782 Kaiser Joseph II. den Kirchen per „Hofdekret“ das Aufstellen der oftmals sehr prunkvollen Krippen verboten hatte, begannen viele handwerklich Begabte, die Krippenfiguren nachzuschnitzen und diese bei sich zu Hause aufzustellen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich aus den kleinen Kripperln die figurenreichen und oftmals Zimmer füllenden „Landschaftskrippen“. Das alljährliche Aufstellen und der Besuch von hunderten Landschaftskrippen in Privathäusern in der Weihnachtszeit zeigt die auch heute noch große Bedeutung dieses Brauchs für die Bevölkerung im Salzkammergut.


Die Erzeugung der Mollner Maultrommel

Antragsteller: Andreas Rußmann
Bundesland: Oberösterreich

Die Maultrommel ist ein kleines Musikinstrument, bestehend aus einem Metallrahmen und einer Stahlzunge. Zwischen die Zähne gepresst nutzt der angezupfte und schwingende Federstahl den Kopf des Musikers als Resonanzraum. Der Ursprung der Maultrommel wird im Asiatischen Raum vermutet, wobei Funde in Burgruinen und künstlerische Darstellungen in Fresken und Gemälden ihre Verbreitung auch schon im Europa des Mittelalters belegen. Das Bestehen einer Innung der Maultrommelerzeuger ist in Molln seit dem 17. Jahrhundert urkundlich nachweisbar. Von 33 Meistern um 1800 existieren in Molln heute noch drei Familienbetriebe, die Maultrommeln erzeugen und vertreiben. Drei Hauptproduktionsschritte charakterisieren die Herstellung: die Erzeugung bzw. das Biegen des Rahmens, das Stanzen und Einsetzen der Feder in den Rahmen und das Anpassen des Rahmens und Ausformen der Feder. Je nach Qualitätsstandard der Maultrommel werden die Produktionsschritte vollständig in Handarbeit ausgeführt oder maschinell unterstützt hergestellt.


Ebenseer Fetzenzug

Antragsteller: Johannes Scheck i. V. Verein Ebenseer Fasching
Bundesland: Oberösterreich

Beim Ebenseer Fetzenzug handelt es sich um einen jährlich am Faschingsmontag in und um Ebensee stattfindenden Faschingsumzug, dessen genaue Ursprünge nicht geklärt sind. Die Teilnehmenden, die so genannten „Fetzen“, kleiden sich in alte Frauengewänder, an die Lumpen genäht sind. Sie tragen einen Fetzenhut sowie eine kunstvoll geschnitzte Holzmaske. Der Zug trifft sich traditionell bei einem Gasthaus in Kohlstatt und zieht dann bis zum Rathaus der Marktgemeinde Ebensee. Dort beginnt der eigentliche Höhepunkt der Veranstaltung, das „Austadeln“: Die Fetzen sagen ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit verstellter Stimme die Meinung. Ziel ist es, dabei nicht erkannt zu werden. Begleitet wird das bunte Treiben vom „Parapluie-Marsch“, auch „Fetzenmarsch“ genannt.


Ebenseer Glöcklerlauf

Antragsteller: Edi Promberger
Bundesland: Oberösterreich

Ausgehend von Ebensee verbreitete sich der Brauch des Glöcklerlaufens über das gesamte Salzkammergut und die Wolfgangseeregion bis in die Steiermark. Dieser jährlich am 5. Januar stattfindende Brauch ist gekennzeichnet durch das typisch weiße Gewand aller Passen, das Tragen und Läuten von großen Glocken, dem Laufen von verschiedenen Figuren und dem Mittragen von Lichterkappen. In den letzten Jahrzehnten erstarkte das Interesse am Glöcklerlaufen in großen Teilen des Salzkammergutes, da man auch das touristische Potential dieser Tradition erkannte.


Erfahrungswissen im Umgang mit der Lawinengefahr

Antragsteller: Alpinarium und Gemeinde Galtür, Lawinenkommission Gargellen, Montafoner Museen, Österreichischer Alpenverein, Österreichischer Berg- und Schiführerverband
Bundesland: Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg

Der alpine Lebensraum fordert von seinen BewohnerInnen eine intensive Auseinandersetzung mit dem hochkomplexen Phänomen Lawine. Die Aneignung von Wissen über Lawinen ist seit Beginn der Nutzung des Alpenraums notwendig, um dort überleben zu können. Bis heute sind Lawinen nicht vollständig durch die Wissenschaft berechen- und vorhersagbar. Umso höher ist daher der Stellenwert von Erfahrungswissen im Umgang mit der Lawinengefahr. Dieses Erfahrungswissen ist zum Teil ortsbezogen und wird durch alpine Organisationen, innerhalb der Familie bzw. in der Schule weitergegeben. Der Erwerb von Wissen erfolgte in der Vergangenheit durch intensive Naturbeobachtung und den schmerzhaften Lernprozess nach Lawinenkatastrophen. Die Vermittlung und Tradierung dieses Erfahrungswissens geschah jahrhundertelang mündlich von einer Generation zur nächsten. Seit dem 20. Jahrhundert – verstärkt ab den 1950er Jahren – wird es von wissenschaftlichen Forschungen ergänzt. So hat sich im Laufe der Zeit der Schutz des Siedlungsraumes und der Verkehrswege sukzessive verbessert und das Wissen im Umgang mit der Lawinengefahr wird heute von lokalen und überregionalen Gemeinschaften in den Bereichen Sicherheit, Bildung, Technik und Rettungswesen vermittelt und angewendet.


Falknerei

Antragsteller: HR Dr. Harald Barsch, Österreichischer Falknerbund und Zentralstelle Österreichischer Falknervereine (ZÖF)
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Falknerei ist die Kunst, mit Vögeln zu jagen. Im engsten Sinne umfasst der Terminus „Falknerei“ die Jagd mit speziell dafür abgerichteten Falken, es werden aber auch Habichte, Sperber und Adler eingesetzt. Neben der Jagd dient die Falknerei auch der Nachzucht von Greifvögeln.


Herstellung und Verwendung der Linzer Goldhaube

Antragsteller: Martina Pühringer, Oberösterreichische Goldhaubengemeinschaft
Bundesland: Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg

Die Linzer Goldhaube ist eine goldbestickte Haube, die den wertvollsten Teil der oberösterreichischen Festtracht bildet und seit Beginn des 19. Jahrhunderts getragen wird. Für die Herstellung einer Goldhaube braucht es rund 250 bis 300 Arbeitsstunden sowie Fingerfertigkeit und das nötige Wissen um alte Handwerkstechniken, das von Goldhaubengruppen in Zusammenarbeit mit Trachtenschneidereien erhalten und weitergegeben wird. Auf einem ca. 16x116cm langen Goldstoffband werden vergoldete Kupferplättchen, Flitter, Folien, Boillonen und Goldperlen gestickt. Das Muster obliegt der Stickerin selbst, die Form der Haube wird durch ein Drahtgestell vorgegeben und ist in ganz Oberösterreich, dem angrenzenden Niederösterreich, Salzburg und Bayern gleich. Goldhauben werden innerhalb der Familie weitergegeben und gemeinsam mit der Festtagstracht (bestehend aus einem bodenlangen Seidenkleid, Trachtenschmuck, Gebetbuch, Schultertuch, Handstiezeln und Perlbeutel) zu weltlichen und kirchlichen Anlässen, beispielsweise an Trachtensonntagen, Erntedankfest oder Jubelhochzeiten, getragen.


Herstellung von Terrazzo in traditioneller Handwerkstechnik

Antragsteller: Ing. Gabriele Pia Stuhlberger
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Terrazzo ist ein langlebiger, beanspruchbarer und pflegeleichter Bodenbelag mit vielfältigen Mustermöglichkeiten. Portionsweise wird mit Schaufeln Mörtel aufgetragen und je nach Terrazzoart händisch Steine mit einem Korndurchmesser von ca. 10 – 22mm dicht eingestreut. Anschließend werden die Terrazzokörner geprackt (= geschlagen), mit der eisernen Terrazzowalze gewalzt und mehrfach händisch geglättet, um eine gleichmäßige Kornverteilung zu garantieren. Nach der Aushärtung erfolgen mehrere Nassschliffe, dazwischen wird Spachtelmasse, die die TerrazzomacherInnen selbst herstellen, aufgetragen. So stellt jeder Terrazzoboden ein handwerkliches Unikat dar. Verwendet werden bevorzugt regionale Rohstoffe und die Fertigung kommt ohne chemische Zusatzstoffe aus.


Hinterglasmalerei in Sandl

Antragsteller: Norbert Pölz, Johann Pum, Elisabeth Traxl, Elsa Stelzmüller
Bundesland: Oberösterreich

Durch die Zuwanderung von nordböhmischen Spezialisten kam die Hinterglasmalerei um 1760 ins Mühlviertel, das gemeinsam mit dem Waldviertel und Südböhmen bis heute für seine Glasveredelung bekannt ist. In der Gemeinde Sandl wurden die Bilder in den umliegenden Glashütten und im Hausgewerbe hergestellt, auf Jahrmärkten und an Wallfahrtsorten feilgeboten und von „Kraxenträgern“ in alle Länder der Donaumonarchie exportiert. Charakteristisch für die Sandl-Bilder sind zum einen die wenigen, jedoch strahlenden Farben sowie die „Sandler Rose“ zur Ausschmückung der Bildecken. Die Verbreitung billiger Kunstdrucke und das Auflassen der Glashütten ließen die Hinterglasmalerei ab 1940 fast in Vergessenheit geraten. Heute gibt es in Sandl einen hauptberuflichen und mehrere nebenberufliche HinterglasmalerInnen, die diese Tradition weiterführen.


Innviertler Landler

Antragsteller: LEADER - Regionen Innviertel und Pramtal
Bundesland: Oberösterreich

Die Geschichte des Innviertler Landlers ist untrennbar mit den Innviertler Zechen verbunden. Diese waren ursprünglich rein bäuerliche Burschenkameradschaften, die eine besondere Form von Geselligkeit und Wirtshauskultur pflegten und mit dem Zechentanz – dem „Innviertler Landler“ – künstlerische Leistungen von Rang hervorbrachten. Diese Zechen waren über lange Zeit fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Der Innviertler Landler wird durch die Kombination von Tanz (die „Eicht“), Musik, Dichtung und Gesang zu einem gemeinschaftlichen Gesamtkunstwerk. Die Melodie, der spezielle, angehängte Jodler („Almer“) und vor allem der rhythmisch „verzogene“ ¾-Takt machen den Innviertler Landler zu einer spezifischen Spielform innerhalb der österreichischen Ländlerfamilie. Seine zahlreichen regionalen und individuellen Ausprägungen stellen ein kulturelles Erbe mit einer Tradition von mehr als 250 Jahren dar, das noch heute aktiv von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.


Köhlerei

Antragsteller: Peter Wieser, Vorstandsmitglied im Europäischen Köhlerverein und Sprecher der österreichischen Köhler
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Bei der Köhlerei handelt es sich um eine Handwerkstechnik aus dem bäuerlichen Umfeld, die primär der Erzeugung von Holzkohle dient. Mittels trockener Destillation wird Holz unter Luftabschluss erhitzt und über eine Zeitspanne von mehreren Wochen durchgekohlt, wobei es in möglichst reinen Kohlenstoff umgewandelt wird.


Lichtbratlmontag in Bad Ischl

Antragsteller: Hannes Heide, Bürgermeister der Stadtgemeinde Bad Ischl
Bundesland: Oberösterreich

Alljährlich am Montag nach Michaeli (29. September) wird in Bad Ischl der Lichtbratlmontag begangen. Dieser bezieht sich auf einen Brauch, bei dem früher der Meister seinen Mitarbeitern ein „Bratl“ spendierte, da an diesem Tag erstmals wieder mit künstlichem Licht gearbeitet werden musste. Heute handelt es sich um ein Jahrgangstreffen aller runden Jubilare ab 50 eines jeweiligen Jahres, die in Bad Ischl geboren sind oder dort ihren Hauptwohnsitz haben.


Liebstattsonntag in Gmunden

Antragsteller: Trachtenverein „Traunseer“ Gmunden, Obmann Franz Wolfsgruber
Bundesland: Oberösterreich

Der Ursprung dieses Brauches wird in der 1641 in Gmunden neu aufgerichteten „Corpus Christi Bruderschaft“ gesehen, die bis ins 18. Jahrhundert Bestand hatte und deren Aufgabe es war das religiöse Leben in der Stadt zu vertiefen. Einmal jährlich, am vierten Fastensonntag, wurde von dieser Bruderschaft eine Versammlung abgehalten und dabei das Gelöbnis der Glaubenstreue und der brüderlichen Liebe, das „Liabb´státt´n“ (Liebe bestätigen), erneuert. Im Laufe der Zeit wandelte sich dies zu einem Liebe abstatten. Der Liebstattsonntag in Gmunden wird heute noch jedes Jahr am vierten Fastensonntag begangen. Die beiden Trachtenvereine von Gmunden, sowie die Goldhauben- und Kopftuchgruppe, treffen sich um neun Uhr zum Kirchgang in die Stadtpfarrkirche. Im Anschluss daran formiert sich ein Festzug mit Musikkapelle, der zum Rathausplatz marschiert. Nach einer kurzen Begrüßung und Erklärung des Brauchs verschenken die Vereinsmitglieder verzierte Lebkuchenherzen an die Bevölkerung und Gäste.


Märchenerzählen

Antragsteller: Helmut Wittmann
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Märchenerzählen ist die Kunst, Menschen mit Geschichten auf spielerische und geistig anregende Weise zu unterhalten.


Maultrommelspiel in Österreich

Antragsteller: Obmann Dr. Franz Kumpl für den Österreichischen Maultrommelverein
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Das Maultrommelspiel zählt zu den ältesten Musikpraktiken der Menschheit und ist vor allem bei den asiatischen Turkvölkern und in Europa verbreitet. Die Maultrommel ist ein Bordun-Instrument, das aus verschiedenen Materialen, z.B. Metall oder Bambus, hergestellt wird. Dabei haben sich Zentren der Produktion und des Spiels mit eigenständigen Charakteristiken herausgebildet. Seit dem Mittelalter ist Molln die österreichische Erzeugungsstätte, wo sich sogar eine eigene Zunft der Maultrommelmacher etablieren konnte. Historisch spielte die Maultrommel im Alpenraum sowohl bei der Liebeswerbung wie auch beim geselligen Musizieren eine wichtige Rolle. In Österreich ist das Maultrommelspiel bis heute besonders durch die Wechseltechnik charakterisiert. Dabei verwendet ein Spieler zwei bis vier unterschiedlich gestimmte Maultrommeln entweder als Soloinstrument, im Duett oder als Trio, am häufigsten jedoch in Verbindung mit anderen Instrumenten.


Mühlviertler Handblaudruck

Antragsteller: Maria und Karl Wagner – Mühlviertler Blaudruck auf Leinen
Bundesland: Oberösterreich

Die äußerst komplexe und zeitaufwendige Technik des Blaudrucks etablierte sich im Mühlviertel im Laufe des 19. Jahrhunderts. Regionale Handwerker, darunter auch der Begründer der heutigen Blaudruckerei Wagner, zogen in die Ferne, um „auf der Walz“ das neue Stoffveredelungsverfahren zu erlernen. Das Wissen um den Mühlviertler Handblaudruck wird bereits in der vierten Generation in der Familie Wagner weitergegeben. Ihre große Sammlung an Handdruckmodeln weist eine Vielzahl an regional inspirierten Mustern auf. Bis heute wird auf Mühlviertler Leinen gedruckt.


Österreichische Gebärdensprache

Antragsteller: Helene Jarmer, Präsidentin des Österreichischen Gehörlosenbundes
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) bildet das soziale und kulturelle Fundament der österreichischen Gebärdensprachgemeinschaft. Sie ist die Muttersprache gehörloser Menschen in Österreich und somit ein wesentlicher Teil ihrer Identität. Seit 2005 ist die ÖGS rechtlich als eigene Sprache anerkannt, jedoch verstehen sich deren AnwenderInnen noch immer als sprachlich-kulturelle Minderheit in Österreich. Die ÖGS wird hauptsächlich von gehörlosen Personen gesprochen und vereinzelt auch von hörenden Menschen als zusätzliche Sprache erlernt. Sie wird österreichweit verwendet und beinhaltet Dialekte, die sich durch regionale Spezifika auszeichnen. Bereits im Jahr 1779 wurde in Wien die erste Gehörlosenschule gegründet. Seither wird die Sprache in entsprechenden Schulen, Vereinen und Familien gepflegt und überliefert. Zudem wird sie in Form von Poesie, Theater und darstellender Kunst übermittelt.


Österreichische Volkstanzbewegung

Antragsteller: Dr. Helmut Jeglitsch, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Österreichischer Volkstanz
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Die österreichische Volkstanzbewegung wurzelt in der Forschung und Sammeltätigkeit einiger Persönlichkeiten des ausklingenden 19. Jahrhunderts und nahm Anleihen aus ländlichen oft nur noch in Resten erkennbaren Traditionen. Gleichzeitig mit der Systematisierung und Aufzeichnung der verschiedenen Tänze begann auch die Ausrichtung auf österreichische Besonderheiten. Die Tänze wurden jedoch nicht nur gesammelt und für die Nachwelt gesichert, sondern auch wieder verstärkt gelehrt und somit vor dem Aussterben bewahrt.


Österreichisches Sensenschmieden

Antragsteller: Sensenverein Österreich - Hansjörg Rinner
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Die Sense zählte vor der Mechanisierung der Landwirtschaft weltweit zu den wichtigsten Erntegeräten. Auch nach der Einführung von Mähmaschinen blieb sie es für bäuerliche Kleinbetriebe und somit für die regionale Grundversorgung bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. Günstige wirtschafts-geografische Voraussetzungen (Vorkommen von Eisen, Holz und Wasser) führten in österreichischen Regionen schon in vorindustrieller Zeit zu einem Anwachsen der Sensenerzeugung weit über den Inlandsbedarf hinaus und damit einhergehend zu einem über Jahrhunderte erworbenen Fachwissen, welches die „blaue“ Sense zu einem österreichischen Exporterfolg machte. Mit dem Aufkommen mechanisierter Erntetechniken begann die Industrie des Sensenschmiedens in Österreich jedoch zu stagnieren. Von den etwa 215 Sensenschmieden um 1900 bestehen in Österreich heute nur noch zwei Herstellerbetriebe.


Pechölbrennen im östlichen Mühlviertel

Antragsteller: Dorfgemeinschaft Elz, Obmann Hermann Sandner
Bundesland: Oberösterreich

Im östlichen Mühlviertel wird das so genannte Pechöl (flüssiges Harz) bis heute mit Hilfe von Pechölsteinen gewonnen. Das Alter dieser Steine ist weitgehend unbekannt; sie bestehen meist aus Granit an deren Oberfläche sich eingekerbte Rillen befinden, ähnlich wie Blattrippen. Auf den leicht geneigten Steinen werden kleine Meiler aus harzreichem Kienholz errichtet und mit Erde abgedeckt. Circa zwei Stunden nach dem Entzünden des Meilers beginnt das Pechöl den Blattrippen-Rinnen folgend zu fließen. Diese Form der Harzgewinnung wird noch von einigen Familien ausgeübt, vor allem aus Gründen der Erhaltung des traditionellen Wissens um das Pechöl und dessen Verwendung. War das Pechöl in der Volksmedizin ursprünglich weit verbreitet, so dient es heutzutage ausschließlich für den Hausgebrauch.


Ratschen in der Karwoche

Antragsteller: Franz Ederer
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Ratschen ist ein Lärmbrauch, der in verschiedenen Formen in den Tagen vor Ostern in weiten Teilen Österreichs praktiziert wird. Zentral dabei ist die sogenannte Ratsche, ein Holzschrapinstrument, dessen Geräusch von Gründonnerstag bis Ostersonntag die dann verstummten Kirchenglocken ersetzen soll. Bei der am häufigsten verbreiteten Form des Ratschens gehen Kinder zu verschiedenen Zeiten durch den Ort, ratschen und sagen nach einem bestimmten Ablauf Sprüche auf. Die Sprüche können von Region zu Region variieren und werden entweder von älteren Kindern an jüngere weitergegeben oder von einer erwachsenen Betreuungsperson gelehrt. Der am häufigsten auftretende Spruch ist der sogenannte Englische Gruß: “Wir ratschen, wir ratschen den Englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss. Kniet's nieder, kniet's nieder auf euere Knie, bet's drei Vater Unser und ein Ave Marie”. Nach dem Ratschen werden die Kinder beim sogenannten ‚Absammeln‘ mit Geld, Süßigkeiten oder Ostereiern belohnt.


Rudentanz in Sierning

Antragsteller: Rudenkomitee Sierning
Bundesland: Oberösterreich

Bis ins 20. Jahrhundert war der Ländler als ein „Tanz für alle“ speziell im süddeutschen Sprachraum, aber auch darüber hinaus, verbreitet. Im Traunviertel wird eine ganz spezielle Form des Ländlers bis heute von den so genannten „Ruden“ – althochdeutsch „roti“, also „Rudel“ – überliefert. Diese meist bäuerlichen Jungmännerbünde pflegten neben den brauchtümlichen Handlungen im Jahreslauf vor allem den mehrstimmigen Gesang, welcher eine wichtige Voraussetzung für die Bewältigung eines Traunviertler Landlers, dem Kernstück des Rudentanzes, darstellt. Seit 200 Jahren wird am Faschingsdienstag der Sierninger Rudenkirtag abgehalten, an dem die Traunviertler Ruden (Gruppen von ca. vier bis acht Tanzpaaren) zusammen kommen und ihren Landler darbieten. Neben Musik und Tanz wird dabei ein besonderes Augenmerk auf die jährlich neugedichteten Gstanzln (gesungene achtzeilige Reime) gelegt, die durch ihre spöttischen sowie kritischen Anspielungen auf lokale, nationale, globale politische so wie auch gesellschaftliche Ereignisse als „moralisches Korrektiv“ dienen.


Salzkammergut Vogelfang

Antragsteller: Salzkammergutverband der Vogelfreunde, Obmann Alfred Riezinger
Bundesland: Oberösterreich

Die Tradition des Vogelfangs im Salzkammergut umfasst den Fang einzelner heimischer Waldvögel im Herbst, die Haltung der Vögel außerhalb der Fangzeit in Volièren, und die Waldvogelausstellung am Sonntag vor Kathrein (25. November), in der die schönsten Vögel aufgrund ihrer Farbenpracht, Unversehrtheit und ihres einwandfreien Pflegezustands prämiert werden. Die Vögel werden mit heimischem, über das Jahr gesammeltem Futter versorgt. Im Frühjahr werden die Vögel mit Ausnahme der Lockvögel wieder in die freie Natur ausgelassen.


Stille Nacht - das Lied zur Weihnacht

Antragsteller: MMag. Michael Neureiter i.V. Stille-Nacht-Gesellschaft
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Das im Jahr 1818 komponierte Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ bildet für zahlreiche Menschen einen Fixpunkt des Heiligen Abends und ist aus Feiern im Familien- und Freundeskreis sowie kirchlichen Feiern, insbesondere der Christmette, nicht wegzudenken. Für viele ist es der Inbegriff des Weihnachtsliedes überhaupt.


Trattenbacher Taschenfeitel-Erzeugung

Antragsteller: Kulturverein Heimatpflege Ternberg - Trattenbach
Bundesland: Oberösterreich

Beim Trattenbacher Taschenfeitel handelt es sich um ein klappbares Taschenmesser, bestehend aus Klinge und gedrechseltem Holzgriff, das seit fast 600 Jahren im oberösterreichischen Trattenbach manuell gefertigt wird. Viele Menschen tragen den Feitel als ständigen Begleiter mit sich und verwenden ihn vielfältig. So wird er beispielsweise als Jausen- oder Schnitzmesser, zur Schwammerlernte, als Souvenir, Werbeartikel, Schlüsselanhänger oder zum ‚Messerln‘ benutzt, eine Art Geschicklichkeitsspiel, bei dem 2 Spieler gegeneinander antreten und einen halb geöffneten Feitel aus 50cm Höhe auf eine Holzunterlage fallen lassen. Ziel ist es, dass der Feitel im Holz stecken bleibt. Seit 1682 sind die Trattenbacher Messerer als selbstständige Zunft anerkannt. Für die Herstellung des Feitels sind genaue Kenntnisse über Material sowie Erfahrung im Umgang mit Stahl, Holz und Wasserkraft notwendig. Heute gibt es noch zwei Betriebe, die Trattenbacher Taschenfeitel in Handarbeit herstellen. Die Weitergabe des Wissens über die Produktion erfolgt durch betriebsinterne Aufzeichnungen sowie mündlich. Die Nachfolge ist zumindest in einem der beiden Betriebe gesichert.


Traunkirchner Mordsgschicht

Antragsteller: Traunkirchner Mordsgschicht
Bundesland: Oberösterreich

Die älteste Aufzeichnung der Traunkirchner Mordsgschicht stammt aus dem Jahr 1912, wobei diese Tradition laut Zeitzeugen schon länger existieren soll. Es handelt sich dabei um einen musikalischen Vortrag im Stil des Moritatengesanges. Ursprünglich im ganzen Salzkammergut verbreitet, wird dieser Brauch in dieser Form heute nur mehr in Traunkirchen praktiziert. Am Faschingssonntag ziehen die Sänger in Frack und mit Zylinderhut bekleidet von Gasthaus zu Gasthaus und präsentieren heitere Begebenheiten der Dorfgemeinschaft des vergangenen Jahres. Als Gegenleistung werden nur die Bewirtung, Aufwandsentschädigungen oder ein gemeinsames Essen akzeptiert.


Vergolden und Staffieren

Antragsteller: Waltraud Luegger
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Vergolden und Staffieren wird seit der Antike praktiziert, um Objekten den Anschein massiven Goldes zu geben. Dafür gibt es unterschiedliche Techniken, wie die Poliment- und Ölvergoldung. Staffieren, früher als Fassmalerei bekannt, bedeutet das Bemalen und Fassen von nicht vergoldeten Oberflächen. Dazu zählen unter anderen das Marmorieren, Holzimitation und die Porzellanimitation. Das Wissen über die komplexen Techniken wird in weiten Teilen mündlich weitergegeben und bis zur Beherrschung dauert es mehrere Jahre. Die Blütezeit des Vergoldens und Staffierens lag im Barock und Rokoko und auch im Jugendstil und Art Deco waren diese Techniken hochgefragt. Ab der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm das Interesse stark ab, zeitgenössische Architektur sieht heute kaum mehr Veroldungen vor, sodass immer weniger Handwerksbetriebe vorhanden sind, um die Techniken auszuüben und zu tradieren.


Wiener Stimmung und Spielweise der Zither

Antragsteller: Cornelia Mayer, Univ. Ass. Mag. Katharina Pecher-Havers
Bundesland: Oberösterreich, Steiermark, Wien

Die für die Wiener Stimmung charakteristische Form der Besaitung und die zugehörige Spielweise entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien und werden erstmals in der Zitherschule von Carl Ignaz Umlauf 1859 beschrieben. Rasch verbreitete sich Wiener Stimmung und Spielweise der Zither und wurde schließlich auch durch zahlreiche Zitherschulen und -vereine zum Masseninstrument der Arbeiterklasse. Das gemeinsame Spiel begünstigte sozialen Zusammenhalt und kulturelle Identität. Mit dem Thema zum Film „Der 3. Mann“ wurde die Wiener Stimmung und Spielweise der Zither weltberühmt. Sie wird heute noch in Wien, Nieder- und Oberösterreich sowie in der Steiermark verwendet.


Windischgarstner Niglo-Umzug

Antragsteller: Jörg Strohmann i.V. Obmann des Heimat- und Museumsvereins Windischgarsten, beauftragtes Mitglied des Trachtenvereins d’Garstnertaler
Bundesland: Oberösterreich

Der Niglo-Umzug am Vorabend des Nikolaustages (6. Dezember) bildet einen jährlichen Fixpunkt der Adventzeit in Windischgarsten. Er besteht aus ungefähr 30 Personen: dem Nachtwächter, dem Nigloherrn (ein Herr in städtischer Bekleidung) und der Niglofrau (eine jüngere Frau mit weißem Kleid und Krone), mehreren Nigeln (in Pelz gehüllte Krampusse mit Larven, um den Körper Schellen und Birkenruten tragend), mehreren Engeln, dem Teufel, dem Heiligen Nikolaus und verschiedenen Nebenfiguren. Die bunte Gesellschaft versammelt sich beim Heimathaus und zieht dann durch den Markt in den Rathaushof, wo sich die Figuren auf der Bühne präsentieren und der Nigloherr und der Nikolaus je ein Gedicht vortragen. Zum Abschluss erhalten die anwesenden Kinder ein kleines Geschenk.


Wirlinger Böllerschützen

Antragsteller: Matthias Plamberger i.V. Verein Traditionsschützen Wirling
Bundesland: Oberösterreich

Der Traditionsschützenverein Wirling ist österreichweit der vermutlich einzige Verein, der berechtigt ist, das traditionelle Böllerschießen zu betreiben. Die Hauptaufgabe der Böllerschützen besteht darin, religiöse sowie weltliche Feste wie Hochzeiten, kirchliche Feste und Umzüge sowie das Rauhnachtsschießen mitzugestalten. Dabei wird ein eigens dafür konstruiertes Böllergeschütz auf einer Anhöhe in Stellung gebracht und je nach Anlass zu genau festgelegten Zeiten abgefeuert. Wichtig ist, dass immer das Echo des Böllerknalls, welches bis zu zwölf Sekunden dauern kann, vor der Abgabe des nächsten Schusses abzuwarten ist.


Wissen um traditionellen Samenbau und Saatgutgewinnung

Antragsteller: Verein ARCHE NOAH
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Jede Kultur hat spezifische Arten und Sorten als Nahrungspflanzen hervorgebracht und das Wissen und die Techniken haben sich den Ernährungsgewohnheiten und den klimatischen Voraussetzungen angepasst. BäuerInnen und GärtnerInnen haben durch gezieltes Anbauen, Pflegen, Auswählen, Nutzen und Vermehren eine enorme Vielfalt geschaffen. Das Wissen um Samenbau, Samenernte, Selektion, Reinigung und Lagerung wurde und wird in Familien, aber auch in Gemeinschaften von Generation zu Generation weitergegeben. Die bestens an die regionalen Bedingungen angepassten Hof- und Lokalsorten sind nicht nur Ernährungsgrundlage von Familien, Gemeinschaften und Regionen, sondern schaffen innerhalb dieser auch gemeinsame Identität. So sind etwa der Lungauer Tauernroggen, die Wildschönauer Krautingerrübe oder der Vorarlberger Riebelmais unmittelbar mit lokalen Produkten bzw. Gerichten verbunden.